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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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420 Maßnahmen zur beruflichen Reintegration wichtige Aufgabe, folgten die praktischen Einwände. Als Hauptargument wurde da- bei immer ins Treffen geführt, dass für die Unterstützung der Kriegsbeschädigten ei- gentlich der Staat zuständig sei : „So unbestritten die Verpflichtung ist, jene Personen, welche im Kampfe für die Allgemeinheit eine Minderung ihrer Erwerbsfähigkeiten erlitten haben, zu unterstützen, so klar ist andererseits, dass hiefür billigerweise eben die Allgemeinheit, der Staat aufzukommen hätte“,133 schrieb etwa die Handels- und Gewerbekammer Leoben. Man solle doch besser eine Invalidenfürsorgesteuer einhe- ben und die Renten erhöhen, meinte der Wirtschaftsverband der Sensen- und Sichel- Erzeuger.134 Viele ergänzten dieses Argument noch um die Beanstandung des hohen Verwaltungsaufwandes. Freilich versteckte sich in der allgemein formulierten Kritik häufig einfach eine Missbilligung der Kompetenzverteilung. Die Einbeziehung der Invalidenentschädigungskommissionen, in denen die Kriegsbeschädigten ein starkes Mitspracherecht hatten, war unbeliebt ;135 viele wünschten überhaupt den Wegfall der dort geplanten Einstellungsausschüsse und meinten, dass die Industriellen Bezirks- kommissionen deren Aufgaben übernehmen könnten.136 Der Verband kriegsbeschädigter Intellektueller malte ein trostloses Bild an die Wand : Einerseits würde die Umsetzung der Regelung die eben erst in Schwung kommende Wirtschaft drosseln, andererseits würden aber auch die Kriegsbeschädigten nicht profitieren, da sich ihre Erwerbsmin- derung, während sie unter Gesunden arbeiteten, verstärken würde : „Rechtfertigt das den ganzen Apparat, wo viel einfacher und für die Allgemeinheit billiger die ausrei- chende Rentenversorgung der ausgesprochen Unterwertigen ist ?“137 War es hier die vermeintliche Sorge um die Kriegsbeschädigten, um eine in der Konfrontation mit den voll leistungsfähigen Kollegen offenbar schlagend werdende „sekundäre Charakterveränderung der Krüppel“,138 so gab es anderswo die Befürchtung, dass die „bekannt radikale Gesinnung der meisten Kriegsbeschädigten einen nachtei- ligen Einfluß auf den […] Arbeitswillen der übrigen Arbeiterschaft üben würde“.139 133 Ebd., Kt. 1572, Sa 146, 13994/1920, Handels- und Gewerbekammer Leoben an StAfsV v. 15.4.1920. 134 Ebd., Kt. 1572, Sa 146, 8493/1920, Wirtschaftsverband der Sensen- und Sichel-Erzeuger v. 10.3.1920. 135 Ebd., Kt. 1572, Sa 146, 13994/1920, Handels- und Gewerbekammer Leoben an StAfsV v. 15.4.1920. 136 Ebd., Kt. 1572, Sa 146, 23597/1920, Steiermärkische LR v. 11.8.1920 ; ebd., Kt. 1572, Sa 146, 25025/1920, Hauptverband der Industrie Deutsch-Österreichs v. 1.9.1920. 137 Ebd., Kt. 1572, Sa 146, 8493/1920, Verb/Int v. März 1920. Ähnlich argumentierte auch die IBK Wien ; ebd., Kt. 1572, Sa 146, 8878/1920, IBK Wien v. 18.3.1920. 138 Ebd., Kt. 1572, Sa 146, 8493/1920, Verb/Int v. März 1920. 139 Ebd., Kt. 1572, Sa 146, 8493/1920, Wirtschaftsverband der Sensen- und Sichel-Erzeuger v. 10.3.1920. Beide Argumente  – jenes der sich verstärkenden Erwerbsminderung wie jenes der Radikalisierung  – griff übrigens auch die Sektion IV im Staatsamt auf : „Diese Arbeitskraft wird also regelmässig um mindestens 40 % weniger leisten als der vollwertige Arbeiter ; der gesicherte Anspruch auf die Beschäftigung wird diese Leistungsfähigkeit noch weiter herabdrücken, da eine Entlassung vom Unternehmer, schon mit Rücksicht
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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