Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Page - 439 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 439 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Image of the Page - 439 -

Image of the Page - 439 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text of the Page - 439 -

439Entwicklung bis 1934 Gesellschaft er sich begab ?“39), verwandelte sich sehr rasch in erbitterte Ablehnung. Der christlichsoziale Verein war erstmals keine Abspaltung oder unbedeutende Ge- gengruppierung, sondern er deckte neben dem Zentralverband tatsächlich ein ande- res  – und in Österreich nicht unwichtiges  – Spektrum der politischen Landschaft ab. Um die drohende Abwanderung von Mitgliedern zum christlichsozialen Verband und zur damals noch hochaktiven Reichsvereinigung (dem ehemaligen Zentralrat) zu verhindern, beschlossen die Zentralverbands-Landesorganisationen Wien und Nieder- österreich, eine gemeinsame Propagandaabteilung einzurichten.40 Der von den beiden Konkurrenzvereinen rege betriebenen Agitation sollte wirkungsvoll entgegengetreten werden, was umso wichtiger erschien, als der Zentralverband seit der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch die Christlichsozialen im Oktober 1920 eine Bevorzugung der bürgerlichen Kriegsbeschädigtenorganisationen zu verspüren meinte.41 Die Konfliktlinien verliefen von nun an vor allem zwischen dem Zentralverband und dem von diesem abschätzig als „vollständig bedeutungslose Scheinorganisation“42 oder kurz als „Drexel-Verband“ bezeichneten christlichsozialen Reichsverband christli- cher Kriegsinvalider, Kriegerwitwen, -waisen und Heimkehrer Österreichs,43 der sich  – wie erwähnt  – 1924 in Reichsbund der Kriegsopfer Österreichs umbenannte. Der Zentralver- band musste sich seit Mitte der 1920er-Jahre intensiver als zuvor mit dem „Wieder- erstarken der Reaktion“ beschäftigen, und dieses fand seinen Ausdruck eben nicht nur in der „Abbröckelung des sozialen Schutzes, der Verwässerung der zugunsten der Kriegsopfer erlassenen Gesetze“  – so die Worte des Wiener Zentralverbands-Obman- nes Maximilian Brandeisz44  –, sondern auch in einer Konjunktur des christlichsozialen Konkurrenzvereines, der tatsächlich verstärkten Zulauf verzeichnen konnte. Seit 1925 verfügte der Reichsbund über eine eigene, von da an bis Anfang 1936 durchgängig 39 Ebd. 40 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1385, 15906/1921, Rechenschaftsbericht des Landesverbandes Nie- derösterreich (über den Zeitraum August 1920 bis Mai 1921). Es gab schon zuvor eine Propagandaab- teilung ; Rupert Kainradl, Der Reichsdelegiertentag, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 5–6, S.  1–16, hier S.  5. Vgl. auch Landesverband Wien (Hg.), Handbuch, Wien 1921, S.  8. 41 „Aus der Nationalversammlung“, in : Der Invalide, Nr. 2 v. 15.2.1922, S.  1f (der Beitrag enthält eine Rede des Abgeordneten Anton Hölzl in der Budgetdebatte des Parlaments). 42 „Roßtäuscherkunststücke der Drexelorganisation. Schwerer Amtsmißbrauch in den Pfarrämtern“, in : ebd., Nr. 2 v. 28.2.1925, S.  3 (der Beitrag enthält einen Artikel der Arbeiter-Zeitung). 43 Zu den Polemiken gegen den „Drexel-Verband“ z. B. „Perfidie des Drexelverbandes“, in : ebd., Nr. 9 v. 30.9.1925, S.  2f. 44 Alle Zitate aus Maximilian Brandeisz, Zehn Jahre Organisation  – Zehn Jahre Republik, in : ebd., Nr. 11 v. November 1928, S.  1f, hier S.  1.
back to the  book Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates