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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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445Entwicklung bis 1934 derungen.85 Es offenbart sich hier ein generell sehr verschiedenes Verständnis vom Staat und seinen Aufgaben. 13.1.3.3 Antisemitismus versus Internationalismus Auch der Antisemitismus spielte eine wichtige Rolle in den Streitigkeiten zwischen dem deklariert christlichsozialen Verband und seinem der Sozialdemokratie naheste- henden Gegenstück. Wenn der Antisemitismus von den Vertretern des Reichsbundes auch nicht mehr derart aggressiv vorgetragen wurde wie von Major Pohanka, der den Vorgängerverband geleitet hatte,86 so war er für die Linie des Vereines doch nach wie vor prägend. Die Tatsache, dass die Führung des Zentralverbandes in der Hand von Personen mit jüdischen Wurzeln lag (Maximilian Brandeisz87, Hans Hirsch88 und  – glaubt man der Reichsbund-Polemik  – auch Hans A. Wolfmüller89), bot dem Reichsbund wiederholt willkommenen Anlass für ausfällige Attacken, in denen sich Antisemitismus in altbewährter Weise mit Antibolschewismus und Vorwürfen diver- ser illegaler wirtschaftlicher Machenschaften mischte. Der gegnerische Verein wurde generell gern mit dem Attribut „jüdisch-kommunistisch“90 versehen. Einen Höhepunkt erreichten die persönlichen Diffamierungen, als der Reichsbund Ende 1926 einen Artikel der Burgenländischen Heimat. Wochenblatt für das christliche Volk in gekürzter Form wiedergab,91 in dem darüber Klage geführt wurde, dass die österreichischen Invaliden auf dem internationalen Parkett durch drei Juden vertreten seien. Es ging dabei um das Engagement von Maximilian Brandeisz, Hans Hirsch und O. Stein in der CIAMAC und im Internationalen Arbeitsamt, dem Sekretariat der 85 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648 (Zentralverband der Landesorganisatio- nen der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen Österreichs), Statuten. 86 Z. B. Pohankas Rede bei der Konstituierung des Verbandes im Jahr 1919, zit. in AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2864 (Reichsbund der Kriegsopfer Österreichs), „Die konstituierende Versammlung des Verbandes christlicher Kriegsinvalider“, in : Der Telegraf. Deutsches Volksblatt v. 30.8. 1919, S.  4 (Zeitungsausschnitt). 87 Vgl. die biografischen Daten in diesem Kapitel weiter vorne. 88 Vgl. die biografischen Daten in diesem Kapitel weiter hinten und Kapitel 9.1.2.1. 89 Hans Arnold Wolfmüller (*1896 in Hardegg/Steiermark), nach Wien zuständig, wurde in den Akten als katholisch geführt ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648/1 (Landesver- band für Wien, Niederösterreich und Burgenland des Zentralverbandes der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen Österreichs), BPDion Wien an Wiener Magistrat/Abt. 44 v. 3.12.1930. 90 Z. B. „Bauernfängerei“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 10 v. 15.11.1925, S.  5 ; exemplarisch „Eine echt jüdische Frechheit“, in : ebd., Nr. 3 v. März 1928, S.  6 ; „Der Zentralverband als Schrittmacher des Juden- tums“, in : ebd., Nr. 3 v. März 1926, S.  5. 91 „Drei Juden als Vertreter der österreichischen Invaliden“, in : ebd., Nr. 10 v. Oktober 1926, S.  7.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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