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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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456 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 keine Eröffnungsbilanz gelegt, der Kriegsopferverband war ganz ohne Kenntnis der Finanzlage und begann die neue Ära dennoch sofort mit großen Ausgaben : Mondäne Räume direkt hinter dem Wiener Rathaus wurden angemietet,155 neue Büromöbel, Druckmaschinen sowie Autos angeschafft und 50 Personen neu angestellt.156 Der Verband verfügte vom Mai 1934 an mit der Österreichischen Kriegsopfer- zeitung über ein eigenes Organ. Ein neues Logo (Krücke mit Stahlhelm, Lorbeer und Eichenlaub) veranschaulichte die Umorientierung auch in der Symbolik :157 Die Kriegsbeschädigten wurden gleichsam in den Soldatenstand „zurückgeholt“. Die betont antimilitaristische und pazifistische Ausrichtung des ehemaligen Zentralver- bandes  – ein essenzieller Bestandteil seiner Programmatik war ja die Ablehnung alles dessen, was dem militärischen Bereich entstammte  – gehörte der Vergangenheit an. Eine Remilitarisierung griff Platz. Und diese zeigte sich nicht nur in der Hinwendung zu soldatischen Tugenden und der Neubewertung dieser Eigenschaften,158 sondern auch  – und gerade  – in der Zusammensetzung der neuen Führungsriege, die mehrheit- lich dem aktiven Offiziersstand angehörte. Die neue Leitung rekrutierte sich nämlich  – zum Unmut auch des Reichsbundes159  – aus dem ehemaligen Verband kriegsbeschädig- ter Intellektueller.160 Nachdem Fey den Funktionären dieses Vereins eine privilegierte Stellung in der Organisation versprochen hatte, begrüßte der Intellektuellen-Verband 697, 38A-1 1 (Einheitsverband der Kriegsopfer Österreichs), Bericht über die bei der Bundesgruppe der Kriegsblinden im Einheitsverband der Kriegsopfer Österreichs, Wien durchgeführte Revision, v. 14.10.1938 ; ebd., Schreiben an Haueisen v. 11.6.1938, S.  2 ; zum Stillhaltekommissar siehe Verena Pawlowsky/Edith Leisch-Prost/Christian Klösch, Vereine im Nationalsozialismus. Vermögensentzug durch den Stillhaltekommissar für Vereine, Organisationen und Verbände und Aspekte der Restitution in Österreich nach 1945 (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermö- gensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich 21/1), Wien-München 2004. 155 Ab Juli 1934 residierte der Verband in einem Haus der Städtischen Versicherungsanstalt in Wien VIII, Friedrich Schmidt-Platz 5 ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648/1 (Landes- verband für Wien, Niederösterreich und Burgenland des Zentralverbandes der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen Österreichs). 156 MRP 1032/7 v. 19.6.1936, in : Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik, Abteilung IX, Bd. 5, S.  249–256, hier S.  250. 157 Österreichische Kriegsopfer-Zeitung. 158 Z. B. „Der neue Geist“, in : ebd., Nr. 7 v. Dezember 1934, S.  1f. Dazu passte gewissermaßen auch, dass sich die in der Österreichischen Kriegsopfer-Zeitung geschaltete Werbung auffallend intensiv mit di- versen Heilsversprechen beschäftigte. Wundermittel gegen Nervosität (z. B. ebd., Nr. 10 v. Oktober 1935. S.  7), Gratishoroskope (z. B. ebd., Nr. 12 v. Dezember 1935, S.  9) und andere esoterische Wege „zur Gesundheit und zum Glück“ (z. B. ebd., Nr. 10 v. Oktober 1935, S.  11) suchten ihre Klientel. 159 „Zur Steuer der Wahrheit“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1935, S.  8. 160 „An unsere Mitglieder !“, in : Nachrichten Reichsverband, Folge 28 v. 19.5.1934, S.  1f.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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