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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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469Entwicklung nach 1934 „Entmündigung“ ist ein passendes Wort für das, was vor allem die lokalen Funk- tionäre erlebten. Auf besonderen Widerstand stieß beispielsweise die Tatsache, dass die Ortsstellen im Einheitsverband ihrer Rechtspersönlichkeit beraubt waren. Da nützte es nichts, dass die neue Verbandszeitung heftig um das Vertrauen der Kriegs- beschädigten warb, dass sie auf Kritikpunkte einging und vielerlei Rechtfertigungen unternahm, indem sie zum Beispiel betonte, dass ja der lokalen Fürsorgetätigkeit kein Riegel vorgeschoben sei und sich die örtlichen Einrichtungen in gleicher Weise wie früher „ausleben“241 dürften. Faktum blieb, dass die Selbstständigkeit gerade jener Un- tergruppen, die den Mitgliedern bisher Heimat waren, verloren war. Dass Kriegsbeschädigten zugleich verboten wurde, eigene Vereine zur Wahrung ih- rer Interessen zu gründen, und ihnen der von oben verfügte Einheitsverband als einzige Institution gleichsam aufgenötigt wurde, war gleichbedeutend mit der Verweigerung des Koalitionsrechtes für diese Gruppe,242 auch wenn der neue Verbandsvorstand die Schaffung einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft für Kriegsbeschädigte als Auf- wertung der Kriegsbeschädigten im gesellschaftlichen Gefüge schönredete.243 Es ver- wundert auch nicht, dass die neue Zeitung gegen die Auffassung anschreiben musste, dass der Einheitsverband eigentlich eine Behörde bzw. der verlängerte Arm des Staates sei. Offenbar sahen Kriegsbeschädigte in ihm absolut nicht jenen „vollen Ersatz“244 für die früheren Vereine, als der er ihnen von der Regierung angepriesen wurde. Sie fühlten sich  – wie es der Autor eines Beitrags ausdrückte  – dem Staat „ausgeliefert“245 und mutmaßten sogar, dass die Einrichtung des Einheitsverbandes nichts anderes be- zweckte, als eine Verschlechterung der Versorgungslage herbeizuführen.246 13.2.2.2 Symbolische Politik Der Versuch des autoritären Regimes, die Kriegsopferbewegung ideologisch in den „Ständestaat“ zu inkorporieren, geschah im Wesentlichen über eine Transformation materieller in symbolische Politik. Das Neue dieser Politik bestand in einer stark im Militärischen fußenden „moralischen“ Aufwertung der Kriegsbeschädigten, die Kon- fliktpotential einerseits und staatliche Untätigkeit andererseits verdecken sollte. Ob 241 Egon von Waldstätten, An alle Kriegsopfer Österreichs !, in : ebd., Nr. 1 v. Juli 1936, S.  1f, hier S.  1. 242 Dieser Vorwurf wurde erhoben ; „Grundsätzliches zum Wesen des Einheitsverbandes“, in : ebd., Nr. 2 v. August 1936, S.  3f. 243 Z. B. ebd. 244 Z. B. „Entstehung und Aufgaben des Einheitsverbandes“, in : Österreichische Kriegsopferzeitung/Ein- heitsverband, Nr. 1 v. Juli 1936, S.  2f, hier S.  3. 245 Egon von Waldstätten, Kriegsopfer Oesterreichs !, in : ebd., Nr. 1 v. Jänner 1937, S.  1f, hier S.  1. 246 „Die Versorgung der Kriegsopfer in der Zukunft“, in : ebd., Nr. 1 v. Juli 1936, S.  4.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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