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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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470 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 dieser Versuch letztlich als erfolgreich oder als gescheitert zu bewerten ist, lässt sich angesichts der kurzen Zeitspanne, die dem Regime zur Verfügung stand, nicht ein- deutig entscheiden. Man könnte aber annehmen, dass er à la longue zwangsläufig scheitern musste, da er fundamentale Konfliktlinien, die die Kriegsopferversorgung seit dem Ende des Ersten Weltkriegs gekennzeichnet hatten, ignorierte bzw. bewusst verschob. Zunächst negierte der Staat  – bisher Adressat der Forderungen  – seine Rolle als Ansprechpartner und Vis-à-vis der Gruppe ; das konnte er umso leichter tun, als er sich auf politische Verhandlungen nicht mehr einließ und Demonstrationen und andere demokratische Ausdrucksformen einfach verbot. Die Funktion einer Kriegs- opferorganisation wandelte sich damit zwangsläufig ; in einer harmonisch gedachten Gesellschaft wurde sie ihrer ursprünglichen Bestimmung verlustig ; Rechte durchzu- setzen zählte nicht mehr zu ihren Aufgaben, denn das hätte Politisierung, Macht- kampf und Uneinigkeit bedeutet, was ja vorgeblich alles der Vergangenheit angehörte. „Es handelt sich nunmehr nicht darum, wirkliches oder vermeintliches Recht […] zur Gel- tung zu bringen und durchzusetzen, wie es Aufgabe der seinerzeitigen Vereine […] war, sondern darum, zwischen den Faktoren, die zur Fürsorge an den Kriegsopfern im Staate und in den Ländern berufen sind und den auf die Fürsorge anspruchsberechtigten Kriegsopfern durch verständnisvolle Mitarbeit zu vermitteln. Es handelt sich nicht um eine Interessenver- tretung nach den Methoden eines schließlich und endlich rein politischen Machtkampfes, sondern im Sinne der neuen Verfassung Österreichs um eine Zusammenfassung aller Kräfte im Dienste der guten Sache“.247 Die hier postulierte „gute Sache“ konnte freilich auch Konflikte innerhalb der Gruppe der Kriegsbeschädigten nicht gebrauchen, weshalb solche ebenfalls konsequent ge- leugnet wurden. Und zu guter Letzt kam es auch noch zu einer Uminterpretierung der Anliegen von Kriegsbeschädigten : Die Forderungen, die zuvor an Gesetzgeber oder Regierung gerichtet waren, mutierten nun  – wie das nächste Zitat zeigt  – zu „sittlich berechtigten Wünschen“ an ein diffuses Gegenüber. Und während sich die Forderun- gen auf materielle Besserstellung bezogen hatten, richteten sich die Wünsche nun vorgeblich auf symbolische Aufwertung : „Uns einte an der Front das ‚Feldgrau‘ und so soll es im Einheitsverband auch sein. Nicht nach Rang, Stand, Namen und Würden, sondern nach aufrichtiger, uneigennütziger Kame- radschaft wollen wir unsere Mitgliedschaft zum Einheitsverband begründen und halten. Das einigende Band der Pflichterfüllung im Dienste der Heimat, das uns oft zu höchsten Leis- 247 „Grundsätzliches zum Wesen des Einheitsverbandes“, in : ebd., Nr. 2 v. August 1936, S.  3f, hier S.  4.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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