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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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492 Statistik der Kriegsopfer Wie schon erwähnt, stieg die Zahl der Anmeldungen für Hinterbliebenenrenten auch von 1923 auf 1924 noch sehr kräftig an, sodass man davon ausgehen kann, dass die Höchstzahl der in Rentenbezug stehenden Hinterbliebenen etwa Mitte der 1920er- Jahre, also später als dies bei den Kriegsbeschädigten der Fall war, erreicht wurde. Der erhebliche Teil der Anträge, die nach 1922 eingebracht wurden, ist auf eine  – wie oben bereits vermutet  – verhältnismäßig hohe Sterblichkeit unter den Kriegsbeschädigten in dieser Zeit zurückzuführen. Damit korrespondiert auch die schon erläuterte, relativ starke Verringerung der Gesamtzahl der Kriegsbeschädigten im gleichen Zeitraum (Diagramm 1). 14.3 Die Schäden : Tuberkulose als Kriegsbeschädigung Der bereits mehrfach erwähnte Invalidenarzt Adolf Deutsch33 publizierte im Juli 1921 im Invaliden eine Statistik der Erkrankungen und Beschädigungen, unter denen Kriegsbeschädigte litten.34 Deutschs Darstellung basiert auf einer Auswertung von 4.000 Akten aus dem Bereich der Invalidenentschädigungskommission Wien, die bis Ende des Jahres 1920 erledigt worden waren. Der Invalidenarzt bemerkt selbst ein- schränkend, dass die Statistik „hauptsächlich für eine Großstadt Geltung“35 habe, da zu dieser Zeit noch kaum Anträge aus den ländlichen Regionen Niederösterreichs erledigt waren. Auch wenn Deutsch meint, die Zahlen seien nicht repräsentativ, was im Übrigen nicht bewertet werden kann, sollen sie hier doch im gesamten Umfang wiedergegeben werden (Tabelle 19), um einen Eindruck von der Bandbreite der Ver- wundungen und Erkrankungen zu vermitteln. Deutlich erkennbar ist an diesen Zahlen, dass  – abgesehen von der Summe al- ler Schussverletzungen, die oftmals zu nicht unmittelbar sichtbaren Lähmungen oder Versteifungen führten (fast 40 % der Beschädigungen)  – mit knapp 30 % vor allem „Lungen- und Kehlkopfleiden“ die Ursache der Beschädigung darstellten. Gerade diese Lungen- und Kehlkopfleiden aber bedeuteten in den meisten Fällen nichts an- deres als Erkrankungen an Tuberkulose. Im Jahr 1929 sprach der Leiter der Inva- lidenentschädigungskommission für Wien, Niederösterreich und Burgenland in der Rückschau davon, dass zwei Drittel der Kriegsbeschädigten in den ersten Jahren intern erkrankt waren und davon wiederum 60 % an Tbc litten.36 Das bedeutet, dass der 33 Vgl. Kapitel 8.5.2. 34 Der Invalide, Nr. 13/14 v. 25.7.1921, S.  2f. 35 Ebd., S.  2. 36 Fahringer/Büsch/Liebl, Kriegsbeschädigtenfürsorge, S.  84.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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