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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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516 Statistik der Kriegsopfervereine sein, während der jeweils anderen Gruppierung vorgehalten wurde, die Auszählung zu hintertreiben.65 In den Vereinszeitungen wurden die Anhänger darauf eingeschwo- ren, die „richtige“ Organisation anzugeben.66 Die Zählung sollte durch die Invaliden- entschädigungskommissionen erfolgen und am 20. April 1927 abgeschlossen sein. Sie wurde jedoch von der Regierung zunächst mit dem Hinweis auf die am 24. April 1927 stattfindende Nationalratswahl auf den Herbst verschoben67 und schließlich ganz abge- blasen.68 Ob wirklich die Befürchtung bestand, dass eine Auszählung der organisierten Kriegsbeschädigten in der politisch aufgeheizten Vorwahlzeit unerwünschte Polarisie- rungen bringen würde, oder ob die Wahl als Vorwand diente, um wieder einschlafen zu lassen, woran die Regierung womöglich ohnehin kein besonderes Interesse hatte, bleibt offen. Statt der Auszählung wurden im Jahr 1929 aber zumindest die Aufzeichnungen der Wiener Mitgliederstände offiziell überprüft. Diese Überprüfung ergab eine Bestä- tigung des schon zuvor geltenden Aufteilungsschlüssels von 66 zu 34.69 Die einzige amtliche Auszählung von Kriegsbeschädigten wurde Ende 1928 im Burgenland durchgeführt.70 Sie ergab bei einer Beteiligung von 95 % 4.087 Zentral- verbands-Mitglieder und 1.366 Reichsbund-Mitglieder, sodass der Verteilungsschlüssel für dieses Bundesland auf 75 zu 25 festgesetzt wurde.71 Der Reichsbund verweigerte in der Folge Auszählungen nach dem im Burgenland angewandten Verfahren, das sei- 65 Z. B. „Abg. Dr. Drexel läuft vor den Kriegsopfern davon. Nachdem er die Invaliden im Nationalrat verra- ten hat, verhindert er die amtliche Feststellung der Organisationszugehörigkeit“, in : Der Invalide, Nr. 3 v. Ende März 1927, S.  1. Der Reichsbund dürfte die Idee tatsächlich schon früher  – nämlich 1925  – gehabt haben ; „Eine Abwehr gegen Lüge und Gemeinheit“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 3 v. März 1925, S.  1 ; „Wir wollen Klarheit !“, in : ebd., Nr. 10 v. 15.11.1925, S.  1. 66 Z. B. „Rüstet zur Auszählung !“, in : Der Invalide, Nr. 2 v. 28.2.1927, S.  9 ; „Eine Zählung, wichtig für alle Kriegsopfer !“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 3 v. März 1927, S.  4. 67 „Die vereitelte Auszählung. Der ‚Reichsbund‘ als Nutznießer der abgeblasenen Auszählung  – Das Mi- nisterium muß die Feststellung der Organisationsstärke doch vornehmen“, in : Der Invalide, Nr. 5/6 v. Mai/Juni 1927, S.  3. 68 „Der ‚Reichsbund‘ bei der Erhebung der Mitgliederstände  – unterlegen“, in : ebd., Nr. 12 v. Dezember 1929, S.  18. 69 Der Zentralverband berichtete nur von der Revision im eigenen Haus ; ebd.; vgl. dazu auch Wienbiblio- thek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–1932, AZ v. 9.2.1930 (Zeitungsausschnitt). 70 Sie fand im November und Dezember 1928 statt ; „Burgenländer Kriegsopfer, Achtung !“, in : Oester- reichs Kriegsopfer, Nr. 7 v. Juli 1928, S.  7 ; „Burgenländische Kriegsopfer, Achtung ! Die amtliche Zäh- lung kommt“, in : ebd., Nr. 8/9 v. August/September 1928, S.  1. 71 „Eine Niederlage des ‚Reichsbundes‘. Dennoch ungerechte Entscheidung gegen den Landesverband“, in : Der Invalide, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1933, S.  1f ; „Der Reichsbund (Gruppe Steiermark) ein Sauhaufen erklärt Landeshauptmann Rintelen“, in : ebd., Nr. 2 v. Februar 1930, S.  9. Ein ähnlicher Schlüssel (76 zu 24) galt 1932 in Oberösterreich ; wie er zustande kam, ist unbekannt ; „Gemeinheit  – oder nur Dumm- heit ?“, in : Der Invalide, Nr. 9 v. September 1932, S.  12f.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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