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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Seite - 216 -
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216 Chimäre, unverantwortlich in Ansehung Polens, beleidigend für den Wiener Hof bezeichnete. Auf die in unbestimmte Ausdrücke gekleidete vorläufige Zustimmung des Kaisers hin einigten sich Rußland und Prenßeu zu dem Petersburger Vertrage vom 23. Januar 1793, der die zweite Theilung Polens zum Inhalt hatte und den Österreich als eine schwere diplomatische Niederlage empfand. Denn abgesehen davon, daß der Vertrag ohne Zuziehung Österreichs geschlossen, durch längere Zeit vor demselben geheim gehalten uud dem Wiener Hofe nur der nachträgliche Beitritt offen gelassen wurde, gewährte die zweite Theilung Polens den beiden contrahirenden Staaten eine höchst bedeutende Erweiterung ihrer Gebiete, wogegen Österreich nicht einmal die geforderte Garantie, sondern nur die Zusicherung guter Dienste bei dem beabsichtigten Eintausche Baierus gegen jenes Belgien empfing, das eben damals infolge der Schlacht bei Jemappes an die Franzosen verloren gegangen war. Die Staatskunst Philipp Cobenzls hatte also vollständig Schiffbruch gelitte»; er wurde entlassen und Thugut übernahm zuerst als „Director", dauu uach dem Tode des Fürsten Kaunitz als „Minister der auswärtigen Geschäfte" das Rnder des Staates. Johann Amadeus Franz de Paula Thugut oder wie er, seit er zu Würden gekommen, hieß: Freiherr von Thugut, war der Sohn eines kaiserlichen Kriegszahlmeisters zu Linz. Niemand Geringerer als die Kaiserin Maria Theresia war es, die den talentvollen Knaben aus dem Staube emporhob. Sie ließ ihn in der orientalischen Akademie erziehen, die für eine ganze Reihe diplomatischer Emporkömmlinge die Vorschule gebildet hat. Mit 35 Jahren war er bereits Internuntius in Constantinopel. Persönlich nicht makellos, auch keines- wegs originell, aber voll Energie und Klarheit, war Thugut ohne Zweifel eine höchst ungewöhnliche Erscheinung, damals vielleicht der einzige Mann, welcher den Schwierigkeiten der Lage gewachsen war. Schon das war epochemachend in einem Staate wie Österreich, daß ein Mann bürgerlicher Abkunft blos durch Talent und Verdienst auf einen Posten sich emporschwang, der bisher nur Mitgliedern des hohen Adels zugänglich schien. Und so wie er, gesellschaftlich vereinsamt, gerade von dieser Seite manche Anfechtungen zu erleiden hatte, gegen die ihn fast nur die vertraute Freundschaft des Grafen Franz de Paula Colloredo, des einstigen Erziehers, nunmehr Kabinetsministers des Kaisers, zur Stütze diente, so gerieth er auch gleich anfangs in Gegensatz zu jener noch immer ansehnlichen Reichspartei in Wien, an deren Spitze der Reichsvicekanzler Fürst Colloredo stand und die »och an der nutreunbaren Verkettung des deutsche» Reiches und Österreichs festhielt. Dem gegenüber nahm Thugut ausschließlich den österreichischen Standpunkt ein. Die deutsche Kaiserpolitik trat für ihn gegenüber der österreichischen Staatspolitik in den Hintergrund. Die Triebkräfte der Politik des Wiener Hofes lagen seiner Meinung nach nicht mehr so sehr in dem Zusammenhange mit dem deutschen Reiche, als in dem Bewnßtsein
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil
Band
3
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1887
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.64 x 22.39 cm
Seiten
278
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschichtliche Übersicht der österreichisch-ungarischen Monarchie 1
    1. Ethnographische Einleitung 1
    2. Geschichtliche Übersicht 33
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild