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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 161 -
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16130. August 1848 rend man anderseits doch nicht so recht weiß, was ich vorstelle. Auch stehe ich als repräsentant einer halb und halb revolutionären gewalt so ziem- lich in der mitte zwischen der alten und der neuen diplomatie. namentlich aber genirt mich Bunsen, welcher schon lange hier, selbst halb engländer, hier eine bedeutende stellung hat, zum glücke ist kein österreichischer Botschafter da, und mit koller bin ich auf sehr gutem fuße, aber soviel ist gewiß, daß die Position eines deutschen reichsgesandten à la longue unhaltbar seyn wird, wenn oesterreich und Preußen ihre gesandten nicht abberufen. Aus allen diesen ursachen weiß ich nicht, ob ich wünschen soll, stabil hier zu bleiben, wie dieses Anfangs mein geheimer gedanke war, ich weiß, daß Bunsen und die preußische regierung für ihn es wünscht, daß er die deutsche reichsgesandtschaft mit übernehme, was ich im interesse des Ansehens, welches die centralgewalt sich im Auslande geben muß (und welches sie unläugbar jetzt noch nicht in dem maaße besitzt, als es der fall seyn sollte), nicht billigen würde. Auch ist heckscher nach dem, was er mir in frankfurt sagte, nicht geneigt darauf einzugehen. ich bliebe gerne noch durch einige Zeit in einer diplomatischen Anstel- lung, lieber im dienste oesterreichs als der centralgewalt, denn dieser letz- teren kann ich nur mit halbem Herzen dienen, und sollte ein Conflict mit dem österreichischen interesse eintreten, was z.B. in der italienischen sa- che leicht geschehen könnte, so würde ich ohne weiters abtreten. nebstdem würde ich mich als österreichischer gesandter in einer klareren stellung befinden als jetzt. Hier als österreichischer Gesandter zu bleiben, würde ich eben nicht wünschen (obwol dieses nach dem, was mir Wessenberg und erzherzog Johann sagten, leicht geschehen könnte), denn mir behagt we- nigstens bis jetzt existenz, lebensart und clima nicht, namentlich letz- teres, man sieht ja kaum jemals die sonne, und das Wetter ist hier schon kühl, neblicht und unfreundlich so wie bey uns im october. das Angemessenste für mich und meine zukünftige politische rolle wäre wohl, wenn ich österreichischer Bevollmächtigter bey der centralgewalt würde, was aber, wenn es sonst geschehen wäre, durch meine sendung nach london wohl unmöglich geworden seyn wird, da man in Wien nicht wissen kann, wie lange ich hier bleiben muß, ebensowenig wie ich dieses weiß. mir war jene stelle gleich in allem Anfange wiederholt angebothen worden, ich aber lehnte sie ab, gegen schmerling sowie in Wien gegen dobl- hoff, weil ich damals ihre ganze Bedeutung nicht einsah. Jedenfalls will ich noch eine Zeit lang von Wien wegbleiben, weil es noch durchaus nicht den Anschein hat, als ob die dinge dort sich fester gestalten wollten, trotz der Ankunft des kaisers nimmt die unordnung nicht ab, am 23. hat es dort wieder einen argen krawall gegeben. Jetzt kömmt auch noch eine religiöse
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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