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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 169 -
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16920. September 1848 [london] 20. september die nationalversammlung hat nach einer dreytägigen debatte den Waf- fenstillstand mit einer mehrheit von 21 stimmen genehmigt, eine so kleine majorität ist ein schlechter Anfang für das neue ministerium. dieses ist übrigens noch nicht gebildet, dahlmann und nach ihm hermann haben den Auftrag, ein solches zu bilden, nach fruchtlosen versuchen zurückgelegt. es dürfte jetzt wohl das abgetretene mit wenigen Ausnahmen (heckscher, der gerade der fähigste von ihnen ist, sich aber bey dieser sache natürlich am meisten compromittirt hat, und schmerling) wieder eintreten. das scheint mir das natürlichste, da ja das ministerium nun eine, freilich schwache mehrheit für sich hat. der friede ist demnach gewahrt, übrigens glaubte ich nie an einen krieg, obwohl der Ausgang der debatte in der Paulskirche bis zum letzten momente sehr ungewiß war, es scheint überhaupt seit dem 5. eine völlige desorganisation der Parteyen stattgefunden zu haben, wie ich auch aus andern Abstimmungen bemerke, die linke scheint terrain zu gewinnen, eine beunruhigende erscheinung. das Ansehen der nationalversammlung scheint durch diese vorgänge sehr gelitten zu haben. die hiesigen Blätter sprechen nur mehr mit hohn von den „german theorisers“, und selbst die größern deutschen Zeitungen stimmen zum theile mit ein. Auch die centralgewalt leidet wie natürlich unter dieser mißachtung. überhaupt ist es jetzt ein moment der krisis, wenn die central- gewalt sich jetzt nicht fester an die regierungen schließt, ein provisorisches staatenhaus hervorruft, sodann aber ganz energisch auftritt, so ist sie und mit ihr die einheit deutschlands verloren. ich habe gestern eine lange depe- sche geschrieben, worin ich mich über die Art der zukünftigen vertretung der centralgewalt im Auslande aussprach und die Ansicht, welche viele, und na- mentlich Banks, haben, daß man nämlich die diplomatie der centralgewalt den gesandten irgend eines deutschen staates anvertrauen solle, entschie- den bekämpfte und verlangte, die centralgewalt solle von Preußen die Ab- berufung seines gesandten fordern, dagegen aber in der Wahl der reichsge- sandten und der ganzen äußern deutschen Politik ein fortwährendes einiges verständniß zwischen frankfurt und Berlin eintreten lassen. Auch muß die einmischung der nationalversammlung in die auswärtige Politik thunlichst beschränkt werden, sonst wird, namentlich bey der grenzenlosen unfähigkeit der nationalversammlung in solchen dingen, jede verhandlung unmöglich. endlich aber muß, was ich dem erzherzog Johann auch mündlich sagte, der- selbe eine andere stellung einnehmen, er ist nicht ein constitutioneller schat- tenkönig, sondern ein dictator, als solchen hat ihn die nationalversammlung gewählt, nicht als eine bloße unterschreibmaschine. er muß regieren, die nationalversammlung muß die verfassung machen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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