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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 179 -
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17928. Oktober 1848 unglücklichen Begebenheiten und das hinterlistige Benehmen in der kroa- tischen sache hat den nationalitätshader wieder aufgestachelt, der sich legen zu wollen schien, und in die Armee einen bedenklichen Zwiespalt ge- worfen, der glaube an die unerschütterliche treue dieser letztern ist wan- kend geworden. inzwischen okkupirt rußland die donauprovinzen, und wenn carl Albert wieder losschlägt, so ist das ende auch nicht zu berech- nen. in dieser Beziehung habe ich letzter tage auf eigene faust diplomatie gemacht, ich glaube nicht, daß viele den muth gehabt hätten, dieses zu thun, doch glaube ich auch, daß ich oesterreich dadurch bedeutend genützt und eine Wiederaufnahme der feindseligkeiten in italien verhindert habe. ich sprach nämlich von einem deutschen Beobachtungscorps von 50.000 mann an der reichsgrenze (verona) als von einer ausgemachten sache. Beau mont kam deßhalb zu mir, und ich paktirte förmlich mit ihm, den diese demonstration sehr zu beunruhigen schien. das resultat unserer langen unterredung wird wohl seyn, daß Piemont ruhe hält, und die conferenzen ihren Anfang nehmen, sobald es ein österreichisches ministerium gibt. ich hoffe nun nur, daß man mich in frankfurt nicht sitzen läßt, dann kann ich mit scipio sagen: ich bekenne, daß ich das vaterland gerettet habe. Palmerston, den ich heute sprach, will, solange dieser provisorische Zu- stand der deutschen centralgewalt dauert, von stabilen gesandten nichts wissen, dieses sey gegen gebrauch und herkommen, im grunde ist dieses eine formsache und nichts mehr. Wie sich die frage wegen der reichs- und der preußischen gesandtschaften lösen wird, ob ich, oder Bunsen, oder wir beyde hier bleiben, darüber weiß ich noch nichts. [london] 28. oktober Palmerston schrieb mir neulich, er wünsche mich zu sprechen, es war we- gen des bewußten (von mir erfundenen) Beobachtungskorps gegen italien, welches ihm sehr ungelegen zu seyn schien, ich aber blieb fest dabey, die Centralgewalt sey verpflichtet, die Reichsgrenzen zu wahren, doch werde kein mann die österreichische grenze überschreiten, solange carl Albert nicht losschlage. Palmerston wollte dann noch einmal mich bereden, daß man von frankfurt aus oesterreich zur Abtretung der lombardie an Pie- mont stimmen möchte, ich erklärte aber, daß das Äußerste, wozu man sich in olmütz1 verstehen und in frankfurt anrathen werde, eine Personal- union der lombardie mit oesterreich, mit lega italiana, neutralität etc. seyn werde. 1 der kaiserliche hof und ministerpräsident Johann Philipp frh. v. Wessenberg waren vor der Wiener Oktoberrevolution ins mährische Olmütz geflüchtet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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