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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher190 nationalversammlung (vielleicht wäre es besser gewesen, ich wäre auch ge- gen seine unverantwortlichkeit gewesen), ich war endlich immer dagegen, daß der reichsverweser sich, wie geschehen ist, zu einem constitutionellen Popanz hergebe, und das ministerium einerseits ihn in den hintergrund stelle, anderseits sich zum commis der nationalversammlung erniedrige, und diese letztere dadurch zu einer Art von convent werde, aus diesem letztern mißstande rührt die ganze mißliche lage des reichsministeriums. den erzherzog fand ich auch sehr herabgestimmt, übrigens ist er in sei- nen ideen unklar und schwankend, ohne energie, und hat sich gar keine Position zu geben gewußt, ich hatte nicht sehr viel, aber doch mehr von ihm erwartet. die stumme renitenz Preußens hat von Anfang an Alles paraly- sirt, jedoch, wenn nicht die gewalt der umstände dennoch Preußen begün- stigt, zu seinem eigenen schaden, denn hätte Preußen sich in der unter- werfung unter die provisorische centralgewalt vorangestellt, so hätte ihm jetzt, wenn oesterreich austritt, niemand die hegemonie streitig gemacht. Was ich unter diesen umständen thun werde, ist mir noch nicht klar, wie überhaupt noch so manches. fritz deym ist hier,1 Projektemacher wie immer, sehr schroff und partikularistisch, aber wie es scheint ohne allen Einfluß, er meint, wir, d.h. hauptsächlich Schmerling und ich, sollten eine gelegenheit erspähen, um mit éclat abzutreten, um uns für oesterreich möglich zu erhalten. schmerling ist unklar, ohne politische tragweite, nur mann des Bureaugeschäftes und der energischen that, ich werde mich wohl während meines hiesigen, kurzen, Aufenthaltes entscheiden müssen, und da es nun zu den italienischen conferenzen wahrscheinlich gar nicht mehr kommen wird, so fällt allerdings der hauptgrund meines weiteren verbleibens im dienste der centralgewalt weg, aber was soll ich dann an- fangen? Anderseits wird meine baldige rückkehr nach london gewünscht, um die dänischen verhandlungen zu beginnen, wiewohl auch da nichts entscheidendes geschehen kann, so lange die französische regierung nicht, durch die Präsidentenwahl, constituirt ist, überhaupt sehe ich in dieser lei- digen schleswigschen geschichte kein baldiges, überhaupt vor der hand gar kein ende, werde also auf keinen fall diese Angelegenheit zu ende führen, in den herzogthümern wünscht man sehr, daß Bunsen damit be- auftragt werde, obwol weder dänemark, noch england, noch rußland die- sen Wunsch theilen, auch ist meine stellung als oesterreicher eine ebenso falsche als die schmerlings, kurz auch in dieser Beziehung gibt es schwie- rigkeíten, während ich es nicht zugeben kann, daß, solange ich in london bin, Jemand anderer damit beauftragt werde (mit Bunsen als dem bishe- 1 Graf Friedrich Deym war im böhmischen Wahlkreis Bydžov-Hohenelbe gewählt worden und am 16.9.1848 in die nationalversammlung eingetreten.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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