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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 196 -
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Tagebücher196 natürlich keine lust von hier fortzugehen, wiewohl ich mich auch hier nichts weniger als heimisch und behaglich fühle. Auch meine stellung in london wird ja durch den sichtbaren verfall der centralgewalt immer un- angenehmer. hier spreche ich mich fortwährend und mit aller entschiedenheit für den Austritt oesterreichs und Preußens hegemonie aus. Am liebsten wäre es mir freilich, man käme auf den alten Bundestag in verbesserter form zu- rück, ließe daneben eine vertretung der völker durch vereinigte Ausschüsse der einzelnen ständekammern zu und concentrirte nur deutschlands politi- sche vertretung nach Außen. dabey bliebe oesterreich der vorsitz. um auf ein solches Projekt zurückzukommen, sind wir aber jetzt schon zu weit, oder noch nicht weit genug. daher bleibt jetzt nichts übrig als Preußens vortritt, ob dieser möglich ist, d.h. ob Bayern, hannover und die katholiken dieses zugeben werden, kann nur die folge lehren, ich aber spreche entschieden, denn diese unklaren verhältnisse sind mir in den tod zuwider. Aus oester- reich kommen alle tage noten, eine entschiedener als die andere, und ich glaube, daß der antideutsche geist im volke und im cabinette jetzt so hoch geht, daß selbst ich trotz meiner hiesigen Wirksamkeit dort als ein schwarz- rothgoldener angesehen werden werde, überhaupt scheint meine Zeit dort weniger als vorher unter dem frühern ministerio gekommen zu seyn, das jetzige ist oder scheint stark und stützt sich ganz entschieden auf antideut- sche sympathieen und vorurtheile, mitunter wohl auch auf reaktionäre An- sichten, die alten menschen kommen wieder zum vorschein, ob auf lange Zeit? Wenn also meine hiesige stellung zusammenbricht, was in der einen oder anderen Weise längstens binnen ein paar monathen geschehen wird, so wird meine nächste Zukunft wohl die seyn, daß ich nach oesterreich in ein „dignified otium“ zurückkehre und meine Zeit abwarte, wenn diese je- mals wieder kömmt, die jetzige regierung aber scheint die rancune und vor- nehme Abgeschlossenheit der metternichschen geerbt zu haben. Zsédényi und heinrich Zichy sind hier und haben mir interessante dé- tails aus Ungarn erzählt. Alles was sich retten kann, flüchtet. Auch Mer- veldt sprach ich, der mit erzherzog ferdinand hier ist, der intelligenteste Ausdruck der gesinnungen des hofes und der erzherzogin sophie, meine conversation mit ihm war beynahe Wort für Wort den vielen unerquick- lichen discussionen ähnlich, welche ich jetzt vor einem Jahre in Wien im Casino mit Lato Wrbna zu haben pflegte. – – Nichts gelernt und nichts vergessen. [frankfurt] 14. december endlich ist das ministerium zu einem Beschlusse gekommen. morgen oder übermorgen will es nämlich von der nationalversammlung die ermäch-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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