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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 203 -
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20331. Dezember 1848 damit während der verhandlungen wenigstens ein erträglicher status quo bewahrt werde. das Ansehen der centralgewalt verfällt rasch, die sonderbestrebungen der regierungen werden immer lauter, der unerklärliche ministerwechsel in Bayern scheint auch dahin zu deuten.1 Auch das scheint mir noch nicht so ausgemacht, ob es oesterreich gelingen werde, sich so zu constituiren, wie wir es wünschen. mich ergreift nach und nach ein ekel und eine langeweile, wie ich sie schon lange nicht empfunden habe, sollte es müdigkeit und überdruß seyn? ich hoffe nicht, sondern daß dieses bloß vorübergehend seyn werde. für den Augenblick aber sehne ich mich nach ruhe, ja sogar, was mir früher nie geschah, nach einer häuslichkeit und landleben! um auszuruhen und mich innerlich zu fassen. Den Christabend habe ich heute bey Gräfinn Bergen zugebracht, der ich überhaupt die wenigen angenehmen stunden meines frankfurter lebens verdanke. london, 31. december Abends Am 25. früh 11 uhr verließ ich frankfurt und nahm wieder denselben Weg zurück, schlief am 1. Tage in Coblenz (Gräfin Bergen hatte mir einen Rei- sewagen geliehen), am 2. in Aachen, am 3. in lille und kam am 28. Abends 11 uhr hier an. ich sinne und trachte nun, bald von hier fortzukommen, obwol ich zu der österreichischen discussion, welche vielleicht schon am 3. beginnt, keines falls mehr zurecht komme. leider ist Palmerston in Broadlands, daher sich meine Audienz bey der königinn verzögern dürfte, jedoch war ich heute in Windsor bey stockmar (zu dem ich in einem sehr freundschaftlichen ver- hältnisse stehe) und hoffe, durch ihn bald zu einer Audienz zu gelangen, ist dieß geschehen, so kann ich abreisen, meiner Berechnung nach dürfte dieß in etwa 8 tagen geschehen, je eher, desto lieber, denn erstlich habe ich jetzt hier nichts mehr zu thun, und dann ist mir daran gelegen, daß mein definitiver Austritt durch meine Abreise beurkundet werde. Bunsen, Stock- mar etc. sind über meinen Brief an meine Wähler entzückt, und das hiesige ministerium theilt meine Ansichten über das verhältniß oesterreichs zu deutschland. sonst gibt es hier nichts neues, das alte einförmige leben, wenn ich bald von hier wegkomme, will ich auf etwa 8 tage nach Paris gehen, um mir die dortigen dinge zu besehen und mich eine Zeit lang ein bischen zu amusiren. 1 Am 19.12.1848 trat Andrians Bekannter, der bayerische innenminister frh. gustav v. ler- chenfeld zurück.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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