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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher220 oesterreich unter diesen umständen und ohne eine bestimmte forderung auszusprechen, auch noch mit der nationalversammlung streit anbindet. es ist noch immer die alte unklarheit, welche keinen andern Ausweg sieht als Austritt oder Zurückkommen auf den alten Bund, oder die alte verblen- dung, daß dieses Zurückkommen jetzt noch möglich sey. so beurtheile ich die note. Andere, darunter sehr viele oesterreicher, ge- ben Alles verloren, lamentiren und wollen austreten, selbst schmerling, der eine bündige erklärung: oesterreich tritt dem Bundesstaate bey, erwar- tete, sprach gestern davon, daß er abreisen wolle, hat aber heute sich eines Besseren besonnen und findet nun Alles charmant, ein schlangenglatter Aal wie er ist. Wie gagern es nehmen wird, weiß ich noch nicht, aber in der nationalversammlung wird es feuer und flamme geben und die chancen Preußens ungemein verstärken. ich denke jetzt noch ernstlicher daran, nach olmütz zu gehen und dort meinen Plan vorzulegen, es ist nicht zu spät dazu, im gegentheile, die leute hier in deutschland müssen erst recht mürbe werden, um auf den- selben einzugehen. Bunsen ist heute nach Berlin zurück, nachdem er hier viel schwadron- nirt und perorirt hat. man ist hier auf das englische Projekt wegen der sonderstellung schleswigs nach beyden seiten hin eingegangen. die preußische kaiseridee, ja selbst Preußens oberhauptschaft ohne je- nen titel hat nun allerdings einen starken stoß erlitten. ich habe sie nie für ausführbar gehalten, selbst wenn sie hier durchgegangen wäre, was bey der dummheit unserer Professoren nicht unmöglich ist, ich bin daher jetzt mehr als je für ein directorium von Preußen, Baiern und einem 3. [frankfurt] 12. februar heute wurde die österreichische note1 in der nationalversammlung verle- sen und nach einigem hin- und herreden an den verfassungsausschuß ge- wiesen. nachher besprach ich mich lange mit gagern im ministerium. die bayerische kammer hat sich nämlich am 9. mit großem eclat und einstim- mig gegen das preußische Principat und für das verbleiben oesterreichs im Bunde um jeden Preis ausgesprochen, ja sogar zu verstehen gegeben, daß mit oesterreich auch Bayern ausscheiden werde. Ähnliche erklärun- gen werden nun von sachsen (wo der Particularismus einer ultraradicalen kammer herrscht) und vielleicht auch von hannover erwartet, und trotz dem Einflusse und der Entschiedenheit Camphausens halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß der könig von Preußen unter diesen umständen einem Conflicte mit Oesterreich ausweichen und seine Note vom 23. im Wesentli- 1 Zur note v. 4.2.1849 siehe eintrag v. 2.2.1849.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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