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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher232 deutsche Partei hier sehr verstärkt, und selbst die stockpreußen, welche bisher von frankfurt nichts wissen wollten, weil sie für ihr Preußenthum fürchteten, fangen an irre zu werden. vincke, das haupt der deutschen Partey, ist entschieden der führer der majorität in der 2. kammer und dürfte das ministerium und den könig, welche Beyde einem entschiedenen schritte in dieser sache widerstreben, mit sich fortreißen. kurz ich fürchte, daß oesterreich sich durch die letzten ereignisse deutschland gegenüber in einer mißlichen Lage befinden und Mühe haben wird, auch nur das durch- zusetzen, was noch vor 8 tagen ein leichtes gewesen wäre, es kömmt nun nur darauf an, wozu sich die österreichische regierung entschlossen und was Prokesch mitgebracht hat. ich habe heute trautmansdorf, Westmoreland, nothomb etc. gesehen und war heute Abend auf einem rout bey Westmoreland, wo ich ziemlich viel Bekannte traf, Brockhausen, sanpaolo, löwenstein etc., theils neue Bekanntschaften machte, ich suche hier möglichst das terrain kennen zu lernen, so weit dieß in so kurzer Zeit angeht, denn morgen Abend reise ich weiter, es drängt mich unter diesen umständen in Wien, respective olmütz zu seyn. Auch clotilde lottum sah ich bey Westmoreland, mit einer toch- ter, welche bereits Braut ist! ohne sie jedoch zu sprechen. [Berlin] 13. märz mittags ich habe Prokesch diesen morgen gesprochen, die österreichische regie- rung hat in der deutschen Frage ihre definitive Erklärung gegeben.1 diese besteht in einer eintheilung deutschlands in kreise, etwa 7, mit einem Parlamente für jeden kreis, oben an ein directorium als centralgewalt, mit vereinigten Ausschüssen jener kreisparlamente, denen oesterreich jedoch als ganzes (die unterscheidung zwischen Bundesländern und den ande- ren soll wegfallen) sich unterwerfen will! Also meiner Ansicht nach viel zu viel zugegeben, zum glücke wird man es in frankfurt nicht annehmen, da man von einer nationalversammlung nicht lassen will noch kann. das sagte ich auch Prokesch. Wird dieß nicht angenommen, so will oesterreich sich ganz zurück ziehen (also selbst die Bundesacte von 1815 auflösen!) und deutschland gewähren lassen, mit dem hintergedanken, einen theil von deutschland von jenem Bundesstaate loszureißen, also ein süd- und 1 gemeint ist die österreichische note vom 9.3.1849, in der die konsequenzen des verfas- sungsoktrois für deutschland dargelegt wurden: „Wer die einheit deutschlands wirklich will, wird den Weg suchen, der es österreich möglich macht, ohne Aufgeben seiner selbst im großen gesamtvaterlande zu verbleiben.“ dafür müsse man „von dem Wahn ablassen, als sei die lähmung österreichs die kräftigung deutschlands,“ aber auch einsehen, dass es unmöglich sei, „durch irgendeine form österreich tatsächlich aus deutschland auszuschei- den.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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