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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 235 -
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23522. März 1849 über organisation der gerichte, über die Jury etc., das ministerium des Ackerbaues ist mit dem landwirthschaftlichen congresse beschäftigt, den es aus allen Provinzen berufen hat etc., im handelsministerio arbeitet eine commission an revision des Zolltariffes, kurz überall thätigkeit mit re- sultaten und fortschritt, es ist wohlthuend dieses zu sehen. dabey ist der öffentliche geist ein guter, man will ruhe, gewinnt vertrauen und ist in der großen mehrheit mit der verfassung und dem ministerio zufrieden, das na- tionalgefühl erwacht, die politische Bildung hebt sich, und namentlich hat die Presse große fortschritte gemacht, kurz, im ganzen bin ich zufrieden. Andererseits sind die schwierigkeiten allerdings noch sehr groß, die große Centralisation, wie sie die Verfassung ausspricht, findet namentlich in ungarn Widerspruch, und zwar von der altungarischen (cziráky, Palffy, mailáth etc.) sowie von der letzten gouvernementalen Partey (Josika, Ap- pony etc.), und auch in kroatien, höre ich, soll Ähnliches zu verspüren seyn. der große moment wird der Zusammentritt der Provinziallandtage seyn, doch hoffe ich, daß jenes große Princip sich wird durchführen lassen, wenn man, wie ich nicht zweifle, die gehörige Energie entwickelt. Die Geldver- hältnisse sind entsetzlich verwickelt und das silbergeld ganz verschwun- den, doch geht handel und verkehr ziemlich gut. sardinien hat den Waffenstillstand aufgekündet, und heute dürfte der krieg wieder angegangen seyn, zum großen Jubel der herrlichen italie- nischen Armee, man rechnet darauf, daß radetzky in 8 tagen in turin seyn und dort den frieden dictiren wird. carl Albert wünscht dieß wahr- scheinlich selbst, er ist nur mehr ein spielzeug in den händen der radica- len kriegslustigen Partey, zu welcher seine eigene Armée durchaus nicht gehört. frankreich und england werden sich durchaus nicht in die sache mischen, so haben sie erklärt. leider sehen die dinge in ungarn minder erfreulich aus. Windischgrätz begeht eine menge dummheiten, weßwegen man ihm nun kübeck als hof- commissär ad latus gegeben hat, die operationen gehen langsam vorwärts, und kossuth scheint an kraft zu gewinnen, eine menge Polen sind bey ihm und organisiren seine truppen. siebenbürgen ist gräulich verwüstet. Wien selbst ist leer und todt und macht auf mich einen traurigen ein- druck, noch viele spuren des Bombardements,1 zahlreiche Patrouillen, kurz der Belagerungsstand weit fühlbarer als in Berlin. [Wien] 22. märz früh es ist mir unangenehm, daß meine correspondenten in frankfurt, wahr- scheinlich durch die seit meiner Abreise eingetretenen ereignisse in An- 1 während der niederschlagung des oktoberaufstands 1848.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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