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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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26124. Mai 1849 werden, also eine beschlußfähige Zahl, und dann nützt dieser schritt nichts. der erzherzog, dieser alte schlappschwanz, hat wirklich den muth zur Auf- lösung nicht, sondern bettelt in Berlin, man möchte ihn ablösen, was directe gegen die Aufforderung ist, die er von Wien aus erhielt, übrigens scheint es wirklich, als ob die regierungen, oesterreich miteinbegriffen sich über eine verfassung geeinigt hätten, welche im wesentlichen der frankfurter ent- spräche, etwas weniger radical und centralisirend wäre, statt des kaisers ein directorium, und oesterreich in einem völkerrechtlichen verhältnisse zu diesem neuen Bunde. Also doch endlich! ich könnte nun triumph singen. schwarzenbergs dummheitenregister aber ist jetzt voll, der mann ist viel- leicht ein guter fml, gewiß aber ein schlechter minister des Auswärtigen.1 stadion hat seine demission gegeben, die der kaiser aber nicht annahm, das scheint auf eine verlängerte krankheit zu deuten.2 nun soll aber die politische organisation, ohne auf seinen Wiedereintritt zu warten, rasch durchgeführt werden, und es ist hohe Zeit, denn das jetzige Provisorium ist nicht lange haltbar. doch bin ich mit dem entwurfe, wie ich ihn in Wien zu gesichte bekam, durchaus nicht einverstanden, denn statt ein self governe- ment zu begründen, schafft er durch die Bezirkshauptmannschaften, kreis- regierungen etc. eine neue und ärgere Bureaukratie. Auch darüber will ich in Wien sprechen, um so mehr, als man mir, wie es scheint, die leitung einer Provinz zugedacht hat, was ich natürlich nur unter gewissen voraus- setzungen übernehmen würde. das gemeindegesetz ist in voller Ausfüh- rung, die leute schreyen, es sey unpractisch, ich aber sage: wenn die ge- meinden auch Anfangs ein lehrgeld zahlen, so schadet das nichts.3 der kaiser ist, wie man sagt, nach kalisch zu einer konferenz mit kaiser nikolaus,4 nous sommes en pleine russie. nationalversammlung in ihrer jetzigen lage und Zusammensetzung „dem deutschen volke keine ersprießlichen dienste mehr zu leisten vermag. […] nachdem sie durch alle gesetzli- chen mittel den eintritt der reichsverfassungsmäßigen gewalten vorbereitet haben, über- geben sie das verfassungswerk für jetzt den gesetzlichen organen der einzelstaaten und der selbstthätigen fortbildung der nation.“ 1 „man kann ein guter fml und dabey ein schlechter minister der auswärtigen Angelegen- heiten seyn, man kann aber auch ein schlechter fml und ein schlechter minister seyn, und ihm, scheint es, war dieses vorbehalten.“ (Andrian an seine schwester gabriele, gmunden 23.5.1849, k. 114, umschlag 662). 2 innenminister graf franz stadion war im April 1849 schwer erkrankt und wurde nach Baden gebracht. er kehrte nicht mehr auf seinen Posten zurück, am 27. Juli 1849 wurde er abberufen. 3 das provisorische gemeindegesetz war am 17.3.1849 erlassen worden. der einleitende satz lautete: „die grundfeste des freien staates ist die freie gemeinde.“ 4 das treffen fand vom 21.–23.5.1849 in Warschau und nicht im 200 km weiter westlichen, an der grenze zu Preußen gelegenen kalisz statt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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