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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 265 -
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2655. Juni 1849 [Wien] 2. Juny Abends Preußen, sachsen und hanover haben sich endlich geeiniget und proponiren nun eine verfassung zur Annahme, welche nur in wenig stücken von der frankfurter abweicht. Preußen als reichsvorstand mit einem fürstencolle- gio an der seite.1 ich glaube, sämmtliche regierungen, die sich der natio- nalversammlung unterworfen haben, werden diesen entwurf als die einzig mögliche lösung annehmen, ebenso auch Bayern, und oesterreich wird, wie auch schon der entwurf besagt, auf dem Boden von 1815 stehen bleiben. Also wäre das ende da, und zwar so, wie ich es seit Jänner vorhersah. Preußen hat geschickt manœuvrirt und hätte noch besser gethan, wenn nicht unsere Einflüsterungen auf die persönlichen Schwachheiten des Kö- nigs gewesen wären, die aber am ende doch zu keinem resultate führten. Wir aber begehen zu allen früheren ungeschicklichkeiten noch die letzte, betroffen und ärgerlich zu thun. daneben läuft eine zweite verhandlung Preußens, welches den erzherzog bewegen will, sein Amt noch als ein pro- visorisches in Preußens hände niederzulegen, er aber, von hier angewiesen, weigert sich dessen, wird er es noch lange können? massen von Preußen marschiren nach süddeutschland, um die Bewegung in Pfalz und Baden zu ersticken, qui du reste semble périr d’inanition. hier stehen die ochsen am Berge, namentlich in der frage ungarn. ruß- land will noch 4 Wochen warten und mehr truppen heranziehen, und ruß- land befiehlt jetzt. Man sagt, daß Giulay Kriegsminister wird,2 ich bedauere Jeden, der jetzt in dieses cabinett tritt. darüber habe ich mich neulich ge- gen kleyle ausführlich ausgesprochen, sie möchten sich gerne mit ein paar populairen nahmen rekrutiren, welche aber doch blind in schwarzenbergs horn stoßen sollten. [Wien] 5. Juny vormittags ich sitze nun schon seit 4 tagen mit heftigen Zahnschmerzen zuhause, wel- che eigentlich nichts anders sind als die gicht, die sich vom fuße dahin geworfen hat, in ein paar tagen gehe ich nach Baden, um dort die cur zu brauchen, so unangenehm mir auch dieser lärmende Aufenthalt jetzt ist. gabrielle wird wahrscheinlich auch auf ein paar Wochen dahin kommen. die nationalversammlung hat am 30. beschlossen, nach stuttgart zu übersiedeln, und hat sich wahrscheinlich dadurch endlich den hals gebro- 1 die drei staaten hatten sich zum sog. dreikönigsbündnis vom 26.5.1849 geeinigt und in einer preußischen Zirkularnote vom 28. mai die deutschen staaten aufgefordert „sich un- serm durch die gefahren des Augenblicks hervorgerufenen Bündnisse anzuschließen und sich hierüber in kürzester frist gefälligst erklären zu wollen.“ 2 general graf franz gyulai (nicht giulay) übernahm das kriegsministerium am 2.6.1849.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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