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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 313 -
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31315. November 1849 bald ein ende gemacht werden wird. ich sprach heute lange mit Bruck, und er sagte mir kein Wort darüber, was doch nach seiner neulichen interpel- lation natürlich gewesen wäre, ich aber wie natürlich erwähnte die sache mit keiner sylbe. ich bin fest entschlossen, so schwer es mir auch wird, kei- nen schritt, auch nicht den geringsten entgegen zu thun. man fragt mich nicht, man beräth sich mit mir nicht (was denn doch, wenn man mir einen so wichtigen Posten wie den eines statthalters anvertrauen will, natürlich, ja nothwendig wäre). Anderseits höre ich, daß herberstein, bisher provi- sorischer landeschef in triest, eine andre Bestimmung erhalten soll, was kann dieses Anderes seyn als steyermark? Auch salm soll placirt werden, und alle diese vormärzlichen haben jetzt mehr chancen als ich, kurz ich sehe voraus, daß man mir solche Anträge machen wird, welche einer Belei- digung gleichsehen werden, worauf ich aber gebührend antworten werde. und dann? dann werde ich eine Zeitlang weggehen (wohin? ist gleichgültig), um dann – ein Journal zu übernehmen, denn vor der hand weiß ich keine andere Beschäftigung für mich, wüßte ich eine, so würde ich sie vorziehen, denn die Journalistik wird mir in mancher, auch persönlicher, Beziehung unangenehm seyn. Aber so fortvegetiren, wie ich es jetzt seit bald 8 mona- then thue, ist mir mehr als unangenehm, ist mir unerträglich. [Wien] 15. november es gibt nicht viel neues, und ich vertreibe mir meine Zeit mit – Warten! die meisten länderchefs sind hier, und man arbeitet tag und nacht an den er- nennungen für die neuen politischen Behörden, die mit 1. Jänner eintreten sollen. Aber noch jetzt im letzten Augenblicke schwankt man und ist un- schlüssig, bald sollen die kreispräsidentschaften aufgegeben werden, bald wieder die Bezirkshauptleute, kurz Bach hat weder organisirungstalent, noch administrative kenntnisse, noch festigkeit des Willens. mit stadion wäre das ganz anders gewesen. micherl strasoldo, der neulich lange bey mir war, hat mich wieder be- stimmt versichert, daß man im ministerium des innern ganz sicher auf mich zähle, und daß ich nächstens einen ruf erhalten werde – was? wie? wo? weiß ich nicht. von den ministern habe ich niemanden gesehen noch sehen wollen, nur oettl suchte ich neulich seit fast 3 monaten zum ersten mahle wieder auf, weil ich ihm hayden empfehlen wollte, ich that aber sehr eilig und sagte ihm ein paar kraftworte über die hirschauerstückchen des ministeriums.1 Auch er scheint mir sich nicht mehr so behaglich zu fühlen wie vor einigen monathen. 1 ein hirschauerstück spielen – sprichwörtlich für in aller öffentlichkeit eine dummheit begehen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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