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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 329 -
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32919. Jänner 1850 ßeren Anstoß dazu erkennen kann, er findet einen solchen in den inneren Zerwürfnissen desselben, namentlich in den intriguen, die Bruck spinnt, um krauss zu verdrängen und selbst finanzminister zu werden. Wie auch die sachen kommen mögen, ich habe mir den rücken gedeckt und auch bey den gegenwärtigen unterhandlungen mich immer so gestellt, daß ich stets nur als Aufgeforderter und nie als Bittender oder suchender dastehe, und nebstdem alles mündlich und nicht das geringste schriftlich abgethan habe. noch weiß man nicht, wie sich die preußischen kammern über die kö- nigliche Botschaft aussprechen werden, der könig spielt, namentlich mit hinblick auf die erfurter Wahlen und die deutsche frage, ein gefährliches spiel, ich verfolge es mit dem größten interesse und hoffe, daß Preußen wie im Jahre 1847 uns die kastanien aus dem feuer holen wird, d.h. daß es auch bey uns einer Pairie den Weg anbahnen werde. die regierung verfährt mit großer, meiner Ansicht nach ungeschickter, härte gegen die Altconservativen in ungarn, der figyelmezö ist verbothen, der redakteur vida aus ungarn ausgewiesen worden etc., die beliebten mittel, ich habe darüber einen geharnischten Artikel in den Wanderer geschrieben, worüber die reichszeitung heftig mit ihm angebunden hat,1 somit habe ich zwey Zwecke zugleich erreicht, durch Polemik allein kann sich der Wanderer zu einem Blatte ersten ranges erheben, was er bisher nicht war, aber auf dem besten Wege dazu ist. leider sind gerade jetzt Zer- würfnisse in der redaction eingetreten, und schwarzer hat einen starken Anlauf genommen, um das Blatt wieder in seine hände zu bekommen, in welchem falle ich mich zurückziehen würde. ohnehin weiß niemand als seidlitz und Becher um meine verbindung. es ist seit menschengedenken nicht soviel schnee gefallen wie in diesem Winter, seit dem 25. november schneit es beynahe unaufhörlich, wir hatten 1 der Wanderer v. 13.1.1850, morgenblatt: die suspension des „figyelmezö“. die Pester Zei- tung war mit 8.1.1850 verboten worden. Andrian beklagt in diesem anonymen Artikel die unterdrückung von oppositionellen, vor allem nationalen Zeitungen als gegen das eigene interesse der regierung gerichtet, die sich damit die möglichkeit des dialogs nehme: „es will uns scheinen, als wenn eine regierung es nur wünschen müßte, daß alle opposition sich in der Presse concentrire. es ist dieses wenigstens ein gegner, der mit offenem visir kämpft, der sich ausspricht und eine gegenrede nicht allein erwartet, sondern sogar her- vorruft. und wo gleichen sich die meinungen eher aus, als wenn die Ansichten gegenseitig ausgetauscht werden.“ Betroffen vom Verbot des Figyelmező sei eine Partei, „deren Mit- glieder aus den edelsten kräften der ungarischen intelligenz, aus den hingebensten Pat- rioten und den treuesten Anhängern der dynastie“ bestehe, „eine Partei, die unterdrückt ihre Ehre nicht im Stiche ließ, und siegend ihre Ehre mit dem Vaterlande identificirte. Wir halten dafür, daß eine solche Partei es werth ist – überzeugt zu werden; gewonnen wird sie auf keine andere Weise!“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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