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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 331 -
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33131. Jänner 1850 leben hier nicht angenehmer, und so ziehe ich mich denn auch immer mehr auf mich selbst und wenige menschen zurück. eine Art interieur, nicht das der ehe, zu der ich jetzt ebensowenig tauge wie sonst, sondern einer ange- nehmen, geistreichen maitresse wäre mir sehr erwünscht, aber gerade hier sehr schwer zu finden. Doch mache ich zuweilen, und eben jetzt, annähe- rungsweise versuche, jetzt habe ich eine recht artige frau aus neusatz, die Frau eines in Arad gefangenen Honvéd Officiers, Josephine von Lauscher. Aber Alles dieses erstickt in mir den stachel einer erzwungenen un thä- tigkeit nicht, die letzten 10 monathe waren für mich ein wahres märty- rerthum in dieser hinsicht und so leer, wie es mein leben seit lange nicht gewesen. [Wien] 31. Jänner man dringt von mehreren seiten in mich, einen 3. theil von oesterreichs Zukunft zu schreiben, um die jetzige politische Apathie zu heben und die Bildung einer liberalen Partey zu befördern. Aber ich halte den Augenblick nicht für geeignet, die Ansichten und tendenzen fahren noch immer in zu viele richtungen aus einander: nationale, politische etc., und was ich sagen würde, würde wahrscheinlich nur sehr Wenigen gefallen. Auch habe ich keine lust, den haß, der gegen mich ohnehin vorhanden ist, ohne noth noch zu vermehren, endlich habe ich überhaupt keine neigung zum schrift- stellern, ich möchte handeln, und übrigens würde ein Journal selbst in je- ner hinsicht meinen Zweck viel besser erfüllen als ein Buch. übrigens habe ich mit dem „Wanderer“ gerade große schwulitäten ge- habt, da ein Artikel von mir, worin ich gegen die centralisirende und bu- reaukratische richtung des ministeriums eiferte, die redaktion so ängstlich machte, daß sie ihn nicht aufnehmen wollte. endlich erschien er gestern, jedoch sehr abgekürzt und verwaschen.1 seidlitz, der allein um meine mit- arbeiterschaft weiß, ist nicht unabhängig von seinen mitredacteurs. Alle Journale sind jetzt mehr als jemals ins Bockshorn gejagt, die neuerlichen unterdrückungen des figyelmezö, der narodni nowiny etc., die beständi- gen verwarnungen und drohungen, welche Welden und Bruck (der emp- findlichste aller Hundsfötter) gegen sie ergehen lassen, Alles dieses und 1 der Wanderer v. 30.1.1850, Abendblatt: centralisation und decentralisation. Bereits am 21.1.1850 hatte Julius seidlitz in einem sehr vorsichtig gehaltenen schreiben (so fehlt eine unterschrift, alle namen sind abgekürzt) Andrian darauf hingewiesen, dass der Arti- kel trotz korrekturen nicht gedruckt werden könne, und ihn gebeten, „wenn es von ihrer selbstverläugnung nicht zu viel verlangt wäre“, den Artikel zu teilen, „damit nicht alle schärfe konzentrirt ist.“ Aber selbst dann sehe er wenig chancen: „Wie aber jetzt die stim- mung ist, habe ich alle hoffnung verloren, den Artikel unversehrt d.h. im Zusammenhange vom stapel laufen zu lassen.“ (k. 115, umschlag 666).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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