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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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3517. April 1850 [Wien] 7. April das ministerium steht auf dem Punkte, zwey große ungeschicklichkeiten (um nichts Ärgeres zu sagen) zu begehen, nämlich erstlich den katholischen clerus so quasi zu emancipiren, seine correspondenz mit rom freyzugeben, das placetum regium aufzugeben und seinen Einfluß auf die Schule zu ver- größern. das wäre ein großer fehler, und ich schreibe ihn leo thun zu. das Andere, weit ernstere noch, weil ein offenbarer verfassungsbruch, ist, daß man beschlossen hat, das geschworeneninstitut fallen zu lassen, oder, was fast dasselbe sagen will, die geschworenen lediglich aus der Zahl der geprüften Richter zu nehmen!! Mit dieser Modification soll am 1. July das neue verfahren ins leben treten, und die beängstigten gemüther, welche die Jury hauptsächlich bey Preß- und politischen Processen fürchten, wer- den ruhig schlafen können. man sieht, im schatten der Bajonnette wachsen der reaktion die flügel, und das ministerium rutscht auf der abschüssigen Bahn immer weiter, so wenig ich von schmerling halte, so hätte ich das doch nicht von ihm erwartet. nun frisch darauf los, je schneller sie sich umbringen, desto besser. Auch in erfurt scheint es schlecht zu gehen. rußland hat schwarzen- berg unter seine Protektion genommen, und Beyde zusammen jagen den könig von Preußen, diesen schächer, ins Bockshorn, er wird nun, wie er es den Berliner kammern gegenüber that, auch in erfurt Anforderungen über Anforderungen stellen, bis selbst die willfährige majorität nicht mehr zustimmen kann. dann wird erfurt in stücke gehen und die restauration des alten Bundestages ihren triumph feyern. in ein paar Jahren darauf kömmt die deutsche republik, und zwar mit größeren chancen des Bestan- des als in frankreich, weil man in deutschland, wo die revolution im Jahre 1848 vor den thronen stehen blieb, bis dahin die unverträglichkeit des königthums mit der nationalgröße und einheit eingesehen haben wird, während die republik in frankreich 1792 wie 1848 bloße caprice war. und bey uns? entweder eine restauration des kaiser ferdinand oder ebenfalls, jedoch dießmal nur transitorisch, republik, oder endlich Zerfall des rei- ches, bonne chance pour les grands ambitieux …. es scheint sichtlich die vorsehung den monarchien den garaus machen zu wollen. Bey uns nichts als verurtheilungen und kriegsgerichte, seit 1 1/2 Jah- ren, noch kein einziger Zug der güte, der gemüthlichkeit in dem 19jähri- gen kaiser, überhaupt gar kein hervortreten der Persönlichkeit außer bey Paraden und Adjustirungsvorschriften, wo soll da Anhänglichkeit, ja selbst ehrfucht herkommen? Auch bey uns trägt sich das Princip zu grabe. Zang war bey mir und brachte sein Programm, ich wusch ihm wegen des Artikels über Windischgrätz tüchtig den kopf, will aber doch nocheinmahl mit Bach sprechen, heute ist ohnehin wieder italienische conferenz, vor-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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