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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 369 -
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3697. Juni 1850 [Wien] 7. Juny ich fuhr am 2. früh nach Brünn, wo mich hingenau und egbert [Belcredi] im Bahnhofe erwarteten. Wir speisten bey Albert Widmann und fuhren Abends nach lösch. tags darauf kam ich wieder auf einige stunden nach Brünn und am 4. wieder, an diesem tage kam gabrielle von Wien nach lösch, um dann nach franzensbad zu gehen. ich sah sie im Bahnhofe, und dann gingen wir zu diller, allwo wir einige geschäfte abmachten. dann fuhr sie nach lösch und ich um 4 uhr nachmittag nach Wien zurück. ich habe in Brünn ziemlich gute geschäfte gemacht, mitarbeiter für die grätzer Wochenschrift gewonnen und den leuten (nämlich den obenge- nannten) die nothwendigkeit der organisirung vorgestellt, an thätigkeit werden diese es nicht fehlen lassen. cajetan mayer, der so ziemlich der be- deutendste mann mährens zu seyn scheint (wiewohl ihm niemand traut), den ich aber nicht kenne, soll sich auch zu unserer richtung hinneigen, was jedoch mit großer vorsicht zu behandeln seyn wird. die hauptsache aber ist, daß ich Zang endlich mit egbert (und durch ihn mit den Andern) in Berührung gebracht habe. der mann ist gut zu brauchen und versteht die Taktik vortrefflich, wir brauchen überhaupt nebst einer Wo- chenschrift auch noch ein tagesblatt. leider ist die „Presse“ in letzter Zeit sehr verrufen und die Zustände in Brünn entsetzlich spießbürgerlich, wegen einer subvention, wegen welcher ich anklopfte, und wozu ich auch beysteu- ern wollte, war aber nichts zu machen, doch dürfte sich auch dieß bey länge- rem Zusammenwirken im falle des Bedarfes von selber machen. übrigens steht die Presse jetzt gut und wird im laufe des sommers, durch Baden, ischel etc. bedeutend gewinnen. ich fuhr auf der rückreise hieher mit Zang. überhaupt regt sich allenthalben das Bedürfniß einer organisation und vorbereitung für die landtage, aus oesterreich und kärnthen sind mir in diesen letzten tagen dringende stimmen zugekommen. kleyle, der gestern aufs land ging, hat von mir Aufträge an stifft mitgenommen, welcher letz- tere meinen Brief noch nicht beantwortet hat. Alles dieses mahnt mich leb- haft an 1846 und 1847. heckscher ist hier, ich sah ihn einigemahle, ein mir sehr zusagender mann, auch Jochmus sah ich vorgestern auf seiner durchreise nach con- stantinopel. neulich traf ich beym essen im römischen kaiser mit schmer- ling und Bach zusammen, welcher letztere sehr verlegen und hölzern schien. von dem revirement in ungarn ist wieder Alles stille geworden, eben- sowenig weiß man von dem resultate der reise schwarzenbergs nach Warschau, nach Allem scheint es jedoch kein sehr günstiges gewesen zu seyn. inzwischen rüstet Preußen mit aller macht, zur Abwehr gegen uns, wie es scheint, und vervollständiget zugleich die union, der Bundestag in frankfurt will denn doch nicht recht vorwärts gehen, natürlich, diese ver-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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