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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 377 -
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37720. Juli 1850 wird unter diesen umständen wenig eindruck machen. übrigens beweist mir dieses, daß das ministerium mehr gewalt über den kaiser hat, als ich glaubte, eigentlich, daß er ein reiner mannequin in ihren händen ist. sed cur non ferdinandus? Was weiter in ungarn geschehen wird, wollen wir nun sehen, gewiß aber eine größere emancipation der civilgewalt vom mi- litair, worüber ich mich freuen würde, geschähe sie nicht (wenigstens vor der Hand) au profit einer mir noch weit verhaßteren Bureaukratie. Üb- rigens hat jetzt der kampf zwischen dem ministerium und dem militair, wie es scheint, begonnen, wie es naturgemäß nicht anders kommen konnte, wahrscheinlich werden Beyde auf dem Platze bleiben, et tertius gaudabit, daß das ministerium übrigens durch diesen Act der energie momentan et- was gehoben wird, leidet keinen Zweifel. über louis Batthyánys hinrichtung habe ich détails gesammelt, die schwer in die Wagschaale fallen dürften. denn der tag der untersuchung wird kommen. gyulai ist endlich doch abgetreten, Appel soll ihn ersetzen. Auch sagt man, daß degenfeld an die stelle grünnes kommen soll!! das wäre unend- lich wichtig und in jeder Beziehung wünschenswerth.1 meine Absicht war gewesen, von Pesth aus nach füred am Plattensee zu fahren und mich dort, wo ich vielleicht später einige Wochen zubringen werde, umzusehen. ich wollte zu edmund Zichy nach sz. mihály und von dort nach füred. doch ward mir die Zeit zu kurz, und ich kehrte direct hie- her zurück. [Wien] 20. July Abends Am 13. früh fuhr ich von hier fort und war gegen 11 uhr Abends in rosenau bey stifft, wo ich bis heute früh geblieben bin, um 1/2 4 nachmittags kam ich mit dem dampfboote hier an. ich habe dort recht angenehme tage verlebt, die herrliche gegend, das ruhige landleben und der schöne Park beym schlosse. stifft, den ich jetzt eigentlich erst näher kennen lernte, hat auf mich einen sehr günstigen eindruck gemacht, ein gewissenhafter warmfühlender mann von großen kenntnissen und schwungvollen Ansichten in seinem fache, nur noch (bey seinem Alter erklärlich) etwas an bureaukratischen formen und uniformi- tätsgelüsten hängend und in der politischen Administration nicht so ganz 1 tatsächlich ersetzte mit 15.7.1850 frh. Anton v. csorich als kriegsminister graf franz gyulai, der als korpskommandant nach mailand kam. frh. christian v. Appel wurde pro- visorischer Armeekommandant in ungarn und erhielt damit die militärischen Aufgaben haynaus, die zivilen kompetenzen übernahm als statthalter der bisherige Zivilkommissär frh. karl v. geringer. kein Wechsel fand dagegen in der generaladjutantur des kaisers statt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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