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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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39117. September 1850 worden ist und „Bekenntnisse eines soldaten“ heißt.1 ein ganz gewöhnli- ches machwerk, im bombastischen theaterzeitungsstyle geschrieben, vol- ler schimpf und lobhudeley, eines so wenig gerechtfertigt wie das Andere, worin mit hundertmal gehörten Argumenten gegen das constitutionelle sy- stem gekämpft und zum schlusse dem kaiser gerathen wird, demselben ein ende zu machen und zum Absolutismus zurückzukehren, nicht eine neue idee, nicht ein positiver gedanke, dagegen viele Widersprüche. trotz alle dem macht die kurze schrift bey leuten wie clam, reischach etc. (welcher letztere im vorbeygehen gesagt einer der hartnäckigsten dummköpfe ist, die mir noch vorgekommen sind) großes Aufsehen, was für den Bildungsgrad derselben spricht, und soll als der Ausspruch der Armée gelten! es scheint, man will ein pronunciamento des heeres provociren. das könnte aber leicht anders ausfallen, als man denkt, ich glaube, daß ich über die stimmung desselben ziemlich genau informirt bin. das heer, d.h. die offiziere, wollen Avancement und Zulagen, wer ihnen dieses gibt, dem dienen sie. unser ministerium, gegen welches diese Bewegung vorzugsweise gerich- tet ist, schustert mittlerweilen in der alten Weise fort, die finanznoth wird immer ärger, die verschwendung immer größer. die Angriffe des lloyd wer- den, weil man sie nicht beantworten kann, durch drohungen an die redac- tion niedergeschlagen, in ungarn und italien geht es immer schlechter. einen vortrefflichen einfluß haben dagegen die vorgänge in kurhessen. das Beyspiel eines ruhigen, legalen Widerstandes gegen die verfassungs- eingriffe der regierung wird auch hier nicht verloren gehen, und wer weiß, ob es nicht einmal zur nachahmung wird hervorgeholt werden. – – dabey spielt der klägliche schwarzenbergsche Bundestag in frankfurt die elende- ste rolle von der Welt, er möchte gerne für hassenpflug interveniren und wagt es nicht.2 man muß nur hier dafür sorgen, daß diese vorgänge gehörig verbreitet und illustrirt werden. heute ist mein 37. geburtstag. das war ein Jahr, leer an freuden, reich an Bitterkeiten, aber kein verlorenes, gerade solche Jahre stählen und ver- steinern den charakter des mannes. neulich kam der ehemalige frankfurter Abgeordnete, nunmehrige Profes- sor in göttingen, rösler (aus Wien),3 der einzige oesterreicher, welcher sich 1 (emerich [Antal] v. Babarczy,) Bekenntnisse eines soldaten (Wien 1850). 2 die kurhessischen landstände hatten als reaktion auf die einsetzung eines ultrakonser- vativen Ministeriums unter Ludwig Hassenpflug dem Kurfürsten das Budget verweigert, worauf dieser das Parlament am 2.9.1850 auflöste, die Forterhebung der Steuern anord- nete und am 7. september zur Bekämpfung des allgemeinen Widerstandes den kriegszu- stand erklärte. Während das kasseler oberappellationsgericht die steuerverordnung für verfassungswidrig erklärte, ersuchte der kurfürst den Bundestag um intervention. 3 richtig emil franz rössler, Abgeordneter in frankfurt für den böhmischen Wahlkreis
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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