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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 393 -
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39321. September 1850 mit schmerling hatte ich eine lange und ernste unterredung. nachdem wir lange von den Zuständen (welche ihm wenn auch nicht rosenfarb, doch noch weit weniger dunkel erscheinen, als sie es wirklich sind) gesprochen, sagte ich ihm, meine öconomischen verhältnisse hätten sich in der letzten Zeit so sehr verschlimmert, daß es mir wenn auch nicht absolut nothwendig, doch sehr wünschenswerth seyn würde, eine angemessene Anstellung zu erhalten, vorausgesetzt daß diese von der Art sey, daß sie mit meiner politischen ehre und consequenz vereinbar wäre. Auf schmerlings Begehren nannte ich der- gleichen, z.B. eine statthalterschaft in italien oder eine außer jeder Politik stehende stellung, z.B. eine generaldirection der communicationen etc. ich wünschte daher von ihm (schmerling) zu erfahren, ob man mir, da ich noch immer von seiten seiner collegen Anträge, vorwürfe etc. vernehmen müsse, einen solchen Posten offeriren werde oder nicht? um danach meine Anstalten zu treffen. schmerling schimpfte weidlich über Bach, der keinen bedeutenden menschen aufkommen lassen wolle, mit dem überhaupt nicht länger zu exi- stiren sey etc., und meinte, er wolle mit Bruck und krauss, welche Beyde mit ihm einerley Ansicht wären, sprechen und dieses förmlich zu einem gegen- stande der ministerberathung machen, natürlich ohne das motiv zu berühren, welches mich bewogen hatte, mit ihm darüber zu sprechen. ich war zu diesem entschlusse nach reiflicher überlegung gekommen, meine finanziellen verhältnisse, welche ich schmerling noch weit weniger zerrüttet geschildert habe, als sie es in Wahrheit sind, die nothwendigkeit, endlich ernstlich an meine Zukunft zu denken und mir wo möglich einen häuslichen herd zu gründen, namentlich für Zeiten einer gezwungenen unthätigkeit wie die jetzige, Zeiten, die wahrscheinlich in meinem leben noch öfters wiederkehren werden, und die überzeugung, daß eine ansehn- liche stellung der sicherere, ja vielleicht in meiner lage der einzige Weg sey, um zu diesem Zwecke zu gelangen, endlich die überzeugung von der wahrscheinlichen fruchtlosigkeit Alles dessen, was ich bisher zum Behufe der organisirung einer gesetzlichen opposition unternommen habe, bey der täglich mehr schwindenden Aussicht auf eine friedliche entwicklung unse- rer Zustände. Alles dieß zusammengenommen hatte in mir den entschluß erweckt, pour l’acquit de ma conscience noch einen schritt zu thun. ich bin im Zweifel, ob derselbe ein resultat haben wird, weiß auch nicht einmal, ob ich dieß wünsche. denn es wird in mir die sehnsucht immer lebhafter, in einem milden schönen clima, etwa in neapel, mich niederzulassen, dort das leben in ruhe zu genießen und den Anfang des 2. Actes unserer revolution abzuwarten, welcher meiner Ansicht nach nicht mehr sehr lange ausbleiben wird. dieses wäre mir das Angenehmste, aber es ist, da menschliche Berech- nungen immer ungewiß sind, ein hazardspiel, und da räth mir denn meine vernunft, ein sichereres spiel zu spielen. das habe ich gethan und erwarte
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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