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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 395 -
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39528. September 1850 jetzt in Wien viel zu sehen hoffe. ohnehin wird meines Bleibens in Wien nicht lange seyn. macht sich in hinsicht meiner Anstellung nichts (wie ich nach den gemachten erfahrungen beynahe glauben muß), so gehe ich noch im laufe des october nach italien. es scheint mir immer wahrscheinlicher, daß der kampf zwischen dem mi- nisterium und der Armée (eigentlich der momentan dominirenden coterie in derselben) um die gewalt im staate nächstens zum Ausbruche kommen wird. die wiederholte verurtheilung klutschaks, des redacteurs der Zeitung der regierungsparthey in Prag, und eine menge anderer Anzeichen deuten darauf hin, und ich glaube beynahe, daß das militair in dem kampfe siegen wird, ja ich weiß nicht, ob ich dieses nicht sogar wünsche, der Bagage, wel- che jetzt die Portefeuilles innehat, wird dadurch der hals gebrochen, und die militairwirthschaft wird keine sechs monathe dauern, dazu sind die leute zu ungeschickt, dazu sind unsere finanzen zu zerrüttet, und was die haupt- sache ist, dazu sind schon zu viele alte institutionen vernichtet und neue ins leben getreten: die gemeindeverfassung, die neue gerichtsordnung, die Presse etc. kann man auch einiges davon wieder rückgängig machen, so bleibt doch noch genug, woran sich der Absolutismus brechen wird, und dann wird man endlich einsehen, daß nur eine solche constitutionelle ver- fassung möglich ist, welche sich auf den Besitz, das recht und die conser- vativen klassen stützt, nicht auf Bajonnette und ebensowenig auf unmögli- che theorieen und auf eine Bureaukratie. oder aber, und dieses scheint mir das Wahrscheinlichere, wird es an eine zweyte revolution und dießmal mit zahlreichem kopfabschneiden gehen, und da muß man dann trachten, lieber zur activen als zur passiven Parthey zu gehören. die Zeiten der gefühlvollen idyllen sind überhaupt vorbey. Auch die äußeren verhältnisse verwickeln sich, der Bundestag hat – dumm genug – für den kurfürsten Parthey genommen, Preußen aber hat er- klärt, daß es jede thatsächliche einmischung als casus belli ansehen werde, und das verfahren des landes in einer officiellen note gebilligt.1 Zugleich ist radowitz minister der auswärtigen Angelegenheiten geworden. nun stehen die ochsen, genannt schwarzenberg & c. am Berge. Was radowitz für eine rolle spielen will? ist bey einem manne wie er schwer vorherzusagen. Berns- torff hat Wien verlassen. 1 der von österreich geführte und von Preußen nicht anerkannte Bundestag in frankfurt hatte auf den kurhessischen Antrag auf Bundesintervention am 21.9.1850 erklärt, „alle zur sicherung oder Wiederherstellung des gesetzlichen Zustandes erforderlich werdenden An- ordnungen zu treffen.“ gegen diese unterstützung des kurfürsten und damit angedeutete Bundesintervention protestierte Preußen scharf, vor allem aus strategischen interessen. durch kurhessen verliefen die wichtigsten verbindungsstraßen zwischen den östlichen und westlichen preußischen Provinzen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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