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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 423 -
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42325. Dezember 1850 doch wird bey dieser inneren und auswärtigen Politik kein Anderer viel Besseres machen können. Jetzt sollen die zinstragenden staatsnoten unter 100 fl. eingezogen werden, gewiß eine vernünftige maßregel. Auch an die re- form der Bank (welche sich so eben wieder, unerverschämter Weise, tüchtige dividenden festgesetzt hat) sollte endlich geschritten werden. Wozu die dresdner conferenzen führen werden? weiß gott, man wird den Bundesbeschluß vom 12. July 48 revociren,1 den Bundestag wiederherstel- len, unter wechselndem vorsitze, eine executivgewalt einsetzen, die revi- sion der Bundesgesetzgebung einer commission übertragen etc., tout cela ira fort bien, aber eine, irgend eine, ständevertretung? Alle staaten wer- den darauf dringen, und oesterreich kann nicht einwilligen, am ende wird ein plictrie2 beliebt werden, welches niemand recht seyn wird, und das alte spiel und Preußens intriguen (welche ihm durch seine stellung zur notwen- digkeit gemacht sind) werden wieder angehen, und bey dem nächsten An- stoße werden wir sehen, was daraus wird, der kern bleibt immer: Preußen muß zu grunde gehen oder wenigstens norddeutschland erwerben. es wird reducirt, jedoch nicht sehr bedeutend, in Böhmen bleiben 2 Ar- méecorps: erzherzog Albrecht und clam, die aus italien und ungarn gezo- genen truppen oder ihr équivalent kehren zurück. radetzky glaubt noch immer, daß er nächstens in Piemont auf eigenen Wunsch des königs wird interveniren müssen, ich glaube es kaum. Was mit italien geschieht, wissen die götter, von hier ist so eben wieder eine deputation nach Wien. neulich sah ich den gefängnißreisenden mr. Appert, welcher mir hor- rende dinge von unseren gefängnissen etc. erzählte, er veröffentlicht so eben in einem starken Werke seine Beobachtungen.3 hoffentlich wird dieses gutes bewirken. die reichszeitung gab mir neulich schuld, ich sey der urheber jener steyerischen landtagspetitionen.4 Andererseits werde ich als verfasser ei- ner in hamburg erschienenen Brochure: dualismus und mediatisirung,5 in deutschen Blättern genannt, die ich mir daher verschrieben habe. Jeden 1 in ihrer letzten sitzung am 12.7.1848 hatte die Bundesversammlung die „ihr verfassungs- mäßig zustehenden Befugnisse und Verpflichtungen namens der von ihr vertretenen Regie- rungen auf die für deutschland eingesetzte provisorische Zentralgewalt“ übertragen. 2 wohl bliktri (ungarisch) – kleinigkeit. 3 Benjamin-nicolas-marie Appert, die gefängnisse, spitäler, schulen, civil- und militär- Anstalten in österreich, Bayern, Preußen, sachsen, Belgien (nebst einer Widerlegung des Zellensystems). 3 Bde. (Wien 1851–1852). 4 die österreichische reichszeitung ist in keiner der Wiener Bibliotheken für diesen Zeit- raum vorhanden. Sie erschien von November 1849 bis 1852 und galt als offiziöses Blatt des ministerpräsidenten fürst felix schwarzenberg. 5 mediatisierung und dualismus in deutschland (hamburg 1851).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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