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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 425 -
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42531. Dezember 1850 als im Apollo mit einigen Bekannten logen auf den Winter gemiethet, in- dem man jetzt nicht mehr wie sonst von einer loge zur anderen Besuche machen kann. die meisten hiesigen damen boudiren, kommen entweder gar nicht ins theater oder sehen doch keine deutschen, weniger aus freyer nei- gung, als weil sie durch einige dumme Jungen, meist mailänder, terrorisirt werden und in ihren hasenfüßigen männern, Brüdern etc. keine unterstüt- zung gegen etwaige insulten finden. in der fenice gibt man louisa miller und ein langweiliges Ballett, im Apollo ernani, beydes schlecht, daher wenig leute und noch weniger Applaus. ich sitze viel bey meiner herzigen hüb- schen morselli, die in der fenice singt, und theile meine Abende, wenn ich nicht im theater bin, zwischen mein altes kleeblatt: taglioni, Pallavicini und esterhazy, neulich war ein langweiliges tänzchen bey uexküll, wozu ich leider geladen war, den zahllosen hoheiten, die hier sind, bin ich bisher noch glücklich entkommen, weiß aber nicht, ob mir dieß auf die dauer gelin- gen wird. ich spüre nicht die geringste lust zu Praesentationen, festen und empfängen. ich bin hier, um auszuruhen und die sonne, das klima und das far niente zu genießen. die Antworten, welche ich aus Wien hinsichtlich des reichsrathes erhal- ten habe, deuten darauf hin, daß derselbe durch schwarzenberg ohne vor- wissen der andern minister ins leben gerufen ward, ein übertünchter vor- märzlicher staatsrath werden dürfte, daher für mich und meinesgleichen wenig chancen. die commission zur entwerfung der statuten besteht aus Buol, salm, Pilgram und dgl., dennoch halte ich es für angemessen, wenig- stens schritte zu thun, damit einige von uns als ferment und zukünftiges oppositionselement hineinkommen, und habe in diesem sinne an stifft und auch an schmerling geschrieben.1 stifft ist wenn auch keine politische, so doch eine finanzielle capacität. die mir zugeschriebene Brochure: dualismus und mediatisirung in deutschland, ist vortrefflich und drückt beynahe vollständig meine gedan- ken aus. in dresden ist bisher nichts geschehen als daß Bayern die volks- vertretung am Bunde beantragt hat, hic rhodus hic salta. in kassel sind endlich die Bayern und wir eingerückt, und leiningen ist als menschen- fresser aufgetreten, da hat wahrscheinlich manteuffel & c. in dresden lärm gemacht, und schwarzenberg hat comme de coutume nachgegeben. die Bayern sind fort, der kurfürst zurück, und von der verlangten unter- 1 „Aber habe ich an schmerling geschrieben, daß ich in denselben ernannt werden will, und ihm befohlen sich dafür zu verwenden. […] übrigens scherz bey seite, ist schmerling der vernünftigste, geschickteste und beste politische kopf unter allen seinen collegen und sieht sehr wohl ein, daß ein reichsrath in jene richtung [wie der alte staatsrat] sehr ge- fährlich wäre.“ (Andrian an seine Schwester Gabriele, 1.1.1851; K. 114, Umschlag 662).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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