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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 427 -
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4277. Jänner 1851 toggenburg und strasoldo sind zu statthaltern ernannt, in venedig und mailand, welches jedoch ihr verhältniß zur militärregierung seyn wird? ist noch nicht ausgesprochen, wahrscheinlich wird gorczkowskys regiment hier und das von carl schwarzenberg (eigentlich seines erwarteten nach- folgers) in mailand aufhören, und ebenso die civilsektion in verona, und die ingerenz des militärs, recte radetzkys, auf einige gegenstände der hohen Polizey beschränkt werden. Wie sich das in praxi herausstellen wird, und was für tiraillements nun zwischen den militär- und den civilautoritäten folgen werden, wollen wir sehen. gerne und leicht werden die troupiers die Zügel nicht fahren lassen. strasoldo ist eine null, toggenburg ein klarer ent- schiedener, jedoch ziemlich beschränkter Bureaumann, eine brauchbare ma- schine ohne äußere formen und irgendwelche glänzende eigenschaften, da- her gerade in italien nicht an seinem Platze. mit solchen menschen wird die regierung in diesem lande nicht an Ansehen gewinnen. überhaupt sehe ich die Zeiten louis Philippes für uns kommen, und es werden sich, wie damals in frankreich, alle höheren classen von den repräsentanten der regierung zurückziehen.1 die folgen davon haben wir gesehen. gestern führte Jennison den grafen kokorczowa aus Böhmen zu mir, der zu der Wurmbrand – Procop lazanzky – Windischgrätzschen coterie gehört, welche eine Art von kreuzzeitungsparthey gründen möchte, aber dazu in der Apathie und dummheit unserer standesgenossen hinternisse findet, die vor der hand kaum zu überwinden seyn werden. Wüßten die leute was sie wol- len, und wollten sie etwas mögliches, so wäre es mir ganz recht, bis zu dem standpunkte eines englischen tory könnte man allenfalls gehen, könnte so- gar ich in gewisser Beziehung mitgehen, wollen sie aber weiter zurück, so wird die sache zum unsinn. neulich hörte ich bey nani esterhazy einen vortrefflichen Pianisten, mr. croze aus Paris, einige tage darauf hörte ich ihn wieder bey dem russischen consul khwostoff, zu dessen unausstehlichen soiréen ich endlich dennoch gepreßt wurde. gestern war ich auf einem recht hübschen kleinen Balle bey taglioni, wo ich sogar genöthiget wurde, ein paar touren zu tanzen, leopol- dine erdödy ist eine außerordentlich liebliche angenehme erscheinung, den heutigen Abend brachte ich bey nani esterhazy zu. gräfinn lützow, die bey- den erdödys, therese erdödy, resi hohenlohe, miss louisa oconnor, Jane Pallavicini, endlich die taglioni bilden so ziemlich meinen kreis von damen, 1 ganz ähnlich äußerte sich ein informant Andrians in einem nicht gezeichneten Brief aus Wien v. 6.12.1850 (k. 115, umschlag 666): „Auch ich stimme nach den erfahrungen der letzten Wochen dafür, die dinge ganz sich selbst zu überlassen und seinen Alltagsgeschäf- ten nachzugehen. den herrn […] ist von unserer seite nicht mehr zu helfen. ich ziehe mich ebenfalls schneckenartig zurück.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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