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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher428 und zwar einen recht angenehmen hausbackenen, vortrefflich, um sich auf einen gesunden schlaf vorzubereiten. die kleinen cancans, z.B. gegen die taglioni, pour avoir montré ses cuisses en public au lieu de les montrer en particulier, ignorire ich. in dresden noch nichts erhebliches, doch scheint schwarzenberg durch sein persönliches Auftreten manteuffel in manchen stücken das neue Jahr abgewonnen zu haben. gegen eine volksvertretung am Bunde ist man ebenso in Preußen wie bey uns, aus denselben gründen. der Bund von 1815 muß und wird gelockert werden, bloß auf materielles und militärisches be- schränkt. dagegen aber wird das freye unionsrecht zugegeben werden und damit, wenn oesterreich geschickt ist, der dualismus, solange Preußen nicht arrondirt ist, ist keine stabilität zu erwarten. [venedig] 12. Jänner meine nerven fangen erst seit gestern an sich zu erholen, da wir seit gestern Bora und mit ihr schöne kalte tage haben, vor ein paar tagen war mir so schlecht, daß ich anfing furchtsam zu werden. das hiesige clima wäre nichts für mich, auch im übrigen ist mir italien, wo ich doch sonst recht gerne lebte, jetzt unangenehm, fremd und antipathisch geworden. dieses alte Weiber- leben, ohne andere Beschäftigung und interessen als etwas geraffelwerk, Bilder und musik, wäre mir auf die länge unerträglich. gorczkowsky wird alle tage dummer und willkürlicher, vielleicht weil er das ende seiner herrschaft herannahen sieht, läßt wegen der lächerlichsten ursachen, ja auch aus bloßem mißverständniß leute einsperren und tage lang sitzen, verfolgt die drey farben,1 selbst wo sie am unschuldigsten, ja gar nicht zu vermeiden sind, ist grob und insolent mit aller Welt, ich hätte ihm, wäre ich minister, schon längst einen tritt vor den hintern gegeben. Aus Wien lauten meine Berichte immer confuser, nur darin einig, daß von tag zu tage Alles schlechter geht, der unmuth und das mißtrauen wächst. im vordergrunde stehen die finanzen. das silber erhält sich fortwährend auf 30%, der neue finanzausweis weiset ein großes deficit nach, die Armée kostet monatlich 13 millionen, und was noch unverzeihlicher ist, der hof- staat über 8 millionen jährlich, während er sonst 4 kostete! das heißt doch der monarchie die allerhandgreiflichste ohrfeige geben! der junge herr hat überhaupt große Anlage zum despoten und satrapen. ich finde, daß unser herr gott sehr wenig erfinderisch ist, immer die alten wohlbekannten cha- raktere, daher auch die nämlichen entwickelungen. krauss ist unter kübecks tutel gestellt worden, ob da was herauskömmt? unmöglich, der finanzminister für sich allein, und wann er vom himmel fiele, 1 die italienische trikolore.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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