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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 443 -
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44316. März 1851 [venedig] 11. märz Abends ich hatte meine Abreise um einen tag aufgeschoben, weil heute ein gro- ßes dampfschiff abgehen und ich die neue oper rigoletto von verdi sehen wollte. dagegen ist heute ein schändliches Wetter mit sturm, und anstatt des großen das schlechteste aller dampfboote gekommen. ich werde da- her morgen entweder, wenn Wetter und schiff günstiger sind, nach triest, oder aber noch wahrscheinlicher zu lande über udine nach görz fahren und dann von görz über triest nach Wien gehen. ich habe mein haus be- stellt, meine Abschiedsbesuche gemacht und bin reisefertig, fast gehe ich ungern weg. venedig hat, wie ich aus öfterer erfahrung weiß, etwas An- ziehendes, das sich erst im Augenblicke des scheidens fühlbar macht, eine Art von Zauber, welcher eben in der ruhe und dem far niente des hiesigen schlaraffenlebens liegt. Auch lasse ich manche gute freunde hier, wie ho- henlohe, Pallavicini, m. Berchtold etc., und namentlich bey mir ist die Zahl meiner freunde überhaupt nicht dicht gesäet. selbst von meiner luigia [morselli] ist mir der Abschied schwerer gefallen, als ich gedacht hatte. ich hatte sie besonders in der letzten Zeit fast täglich gesehen, Promenaden mit ihr gemacht etc., ihr humor und ihre südliche natürlichkeit waren für mich große ressourcen. gestern Abends besuchte ich noch toggenburg, unsere Ansichten harmoniren nicht, aber als mir untergeordnet könnten wir uns vertragen. franceschinis und martello, welche mir heute einen Ab- schiedsbesuch machten, brachten mir hiesige Zeitungen, worin aus dem Wiener neuigkeitsstrom die notiz stand, ich hätte die mir von kübeck an- getragene Berufung in den reichsrath abgelehnt. da nun gar nichts der- gleichen vorgekommen ist, so muß eine intrigue dahinter stecken, aber welche? sie kann von verschiedenen seiten und in verschiedener Absicht kommen. ich bin noch nicht einig mit mir, ob und was ich darüber äußern soll. neulich hatte ich ein Abschiedsdiner bey marmont mit nani esterhazy und Pierre Arenberg, heute aß ich noch bey m. Berchtold, und sie kam dann in meine loge, um verdis neue oper zu hören, die ich ziemlich langweilig fand. görz 16. märz Am 12. um 3 uhr nachmittags verließ ich venedig mit der eisenbahn und fuhr von mestre nach einem einstündigen Aufenthalte mit der malleposte weiter, ich hatte bloß einen reisegefährten, einen Beamten aus venedig, der mir unterweges seine hauts faits als hauptmann der nationalgarde während der revolutionszeit erzählte. in treviso nahm ich etwas zu mir und war um 6 uhr morgens in udine. um 8 fuhr ich ganz allein im cou- rier weiter bis görz, wo ich gegen 1 uhr ankam und in den drey kronen
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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