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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 453 -
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45319. April 1851 mein neuliches Anerbiethen zu sagen haben würde. schwarzenberg fragte mich sogleich, ob ich mit Bach gesprochen habe? was mir beweist, daß er an eine diplomatische verwendung nicht denkt oder nicht denken will. ich erzählte ihm, was ich Bach gesagt habe, er aber erhob schwierigkeiten gegen eine ernennung zum statthalter, das sey, meinte er, für den Anfang zuviel, es seyen bereits mehrere für die nächsten Posten dieser kategorie vorge- merkt, und die regierung dürfe, wenn sie nicht alle Welt in die Arme der opposition treiben wolle, männer, welche sey es nun wirklich oder auch nur anscheinend dieser angehört hätten, nicht so glänzend auszeichnen. ich ant- wortete hierauf, indem ich ungefähr das wiederholte, was ich ihm das letzte mahl gesagt hatte und dazu bemerkte, daß, wenn ich mich auch von jeder thatsächlichen opposition gegen das ministerium entfernt halte, ich doch nicht verhindern könne, daß mein name als drapeau gebraucht würde, und dieses um so weniger, solange ich in meiner jetzigen unbeschäftigten stel- lung bliebe, welche von aller Welt meinem freyen entschlusse, also meiner Abneigung, unter diesem ministerio zu dienen, zugeschrieben werde. übri- gens habe man die meisten der gegenwärtigen statthalter wahrhaftig weder unter den capacitäten noch unter den sonstigen illustrationen gesucht und gefunden, so daß ich, der ich nebst meiner Persönlichkeit auch noch einen nahmen mitbringe, jedenfalls nur ein gewinn für die regierung seyn könne. schließlich erklärte ich ihm, daß nach den erlebnissen der letzten Jahre jede Ambition in dieser richtung unmöglich gemacht sey, daß eine diätenclasse höher oder niederiger mir weder an Bedeutung nehmen noch zulegen könne, daß ich daher nur im Allgemeinen wünsche, einen Wirkungskreis zu erhal- ten, worin ich etwas leisten und mich beschäftigen könne, falls derselbe nur halbwegs annehmbar sey. Aus Allem diesem sehe ich, daß schwarzenberg einen eingewurzelten leidenschaftlichen haß gegen Alles trägt, was sich an der ständischen Be- wegung vor dem Jahre 1848, der er stupid genug alle schuld gibt, bethei- ligte, und ebenso gegen Alles was im Jahre 1848 selbst auf irgend eine Weise hervortrat. er möchte menschen und dinge, die von da her stammen, am liebsten ignoriren und möglichst demüthigen. mir war diese unterredung ziemlich pénible, da ich sah, daß er seine jetzige vortheilhafte stellung ohne rücksicht benützen wollte, und ich anderseits in der meinigen verhindert war, ihm ganz so zu antworten, wie ich gewollt hätte, obwol ich mir nichts vergab und die rolle eines Paciscenten, nicht die eines Bittstellers, stets fest- hielt. Auf meinen Wunsch, mich dem kaiser vorzustellen, ging er, jedoch ohne sich über die frage: ob mich derselbe auch empfangen werde? auszuspre- chen, schnell, beynahe zu schnell ein und sagte mir, er wolle dem kaiser da- von sprechen, noch ehe ich ihn darum ersuchen konnte, so daß ich beynahe
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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