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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 454 -
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Tagebücher454 glaube, er wollte vorbauen und dem kaiser zwar davon, zugleich aber dage- gen sprechen. ich habe daher Wege gefunden, um denselben durch erzher- zogin sophie praepariren und günstig stimmen zu lassen. ob dieses etwas nützen wird, werden die nächsten tage zeigen. gestern ist das Patent wegen des reichsrathes erschienen, zugleich sind 8 reichsräthe ernannt: krieg, Purkhart, salm, Buol, salvotti, Baumgartner, szögyényi und feri Zichy, die ungarn jubeln über diese letzteren 2 nah- men. Bach erfuhr die nahmen erst vorgestern! überhaupt scheint sein sturz durch diese neue institution um vieles näher gerückt. die Animosität gegen ihn in allen kreisen ist nun schon aufs höchste gestiegen, und er scheint ganz paralysirt und hat sich nun ganz auf die geheime Polizey geworfen, um sich durch Allarmirung zu halten. Auch schwarzenberg, der ihn allein noch hält, dürfte einen theil des schlages tragen, welcher Bach treffen wird. die finanziellen verhältnisse verschlechtern sich immer mehr trotz ei- nes ziemlich leidlichen finanzausweises für das Jahr 1850, welcher neu- lich veröffentlicht wurde, das silber steht heute auf 33 1/2! die masse der staatslasten ist durch die grundentlastung laut eines neulich erschienen Patentes um 207 millionen vermehrt worden. Zugleich wird die ohnehin schon so hochgespannte grundsteuer im kommenden Jahr aus eben jenem grunde wieder um 5 % erhöht, was die stellung der regierung namentlich dem landvolke gegenüber nicht erleichtert. die theuerung nimmt furchtbar zu, daher allgemeines mißbehagen und mißvergnügen, kurz die dinge sind sehr arg, aber noch fehlt der letzte tropfen. inzwischen langweile ich mich hier nach herzenslust, sitze viel bey gabrielle und des Abends im theater, casino etc., ein paarmale trieb mich die verzweiflung zu gräfinn razou- mowsky, zu ida Bombelles etc., voilà pour mes amusemens. [Wien] 26. April mir scheint, mit dem ministerium geht es ganz sanft zu ende. die Bedeu- tung des schlages, der ihnen durch die schaffung des reichsrathes versetzt worden ist, tritt, noch ehe derselbe seine Wirksamkeit begonnen hat, täglich mehr hervor. obwol diese institution selbst, außer in ungarn, nicht sehr populär seyn dürfte, so freut man sich doch überall, daß damit der mini- steriellen Allmacht ein riegel vorgeschoben ist, ob zu gunsten einer ange- messeneren entwicklung? oder nur eines stillstandes, einer Paralysirung der staatsmaschine bis zur nächsten revolution? wird die folge lehren. Jedenfalls ist die fähigkeit der minister durch ihre stümperhaften versu- che, durch ihr beständiges hin- und herschwanken und durch das traurige resultat ihres nun 2 1/2 jährigen Pfusches so discreditirt, daß man sich über Alles freut, was ihrem brutalen despotismus grenzen setzt. die san- guinischen ungarn gehen hierin wieder am weitesten, sie träumen schon
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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