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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 474 -
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Tagebücher474 Jedenfalls sehe ich, daß mich auch dieser genre von vergnügungen nicht auf lange zu fesseln im stande wäre, die Zeit dafür ist bey mir vorbey, und es ist gut, daß ich auch dieses nun hinter mir habe. ich werde daher noch 3–4 Wochen hier bleiben und dann meine rückreise antreten, um in der ersten hälfte september wieder in Wien zu seyn. ich aß neulich bey hübner und brachte dann den Abend mit villers und einem mr. de Barrande (einem legitimisten) bey grifeo und seiner alten flamme, mad. lanskoi zu. Antonini besuchte ich heute, traf ihn aber nicht, dagegen begegnete ich neulich kiel auf der straße, habe ihn aber seitdem nicht finden können, was einem hier so oft widerfährt. Wenkheim geht mit seiner frau morgen nach london, von landsleuten habe ich sonst nur orczy und bey der gesandtschaft schloisnigg, trautmansdorf und ottenfels gese- hen, welcher letztere mir recht gut gefällt, bey schloisnigg war ich gestern und hatte einen langen politischen discurs mit ihm, ziemlich langweilig und unfruchtbar, wie alle dergleichen. villers, der ein vortrefflicher zuckersüßer dienstfertiger mensch ist, aber etwas langweilig und mir in hunderterley Beziehungen nicht homogen, emancipirt sich nach und nach und nimmt seine ihm mehr zusagenden fran- zösischen Alluren an, woran er übrigens in seiner stellung ganz recht thut, mir sind die franzosen (nicht die französinnen) fatal, ungefähr in der Art, wenn auch weniger, als die italiener. das germanische Blut schlägt, ich mag wollen oder nicht, bey mir durch. neulich im châteaurouge, wo ein eigentümliches fest, von lauter da- men dirigirt, die z.B. auch das orchester leiteten etc., gegeben wurde, ac- crochirten mich 2 grisetten, die ich nach hause, d.h. zu einer von ihnen führte, ein excellentes souper bestellte, um dann hungrig und durstig und selbst ohne meinen gewöhnlichen thee (es waren schon alle cafés auf den Boulevards geschlossen) zu Bette zu gehen und so ausgesäckelt, daß mein concierge den fiaker zahlen mußte, eine komische geschichte, die mir viel spaß machte. mit dr. helmsdörfer und seinem Anhange war ich neulich einen ganzen vormittag jenseits der seine, wir besahen uns das hôtel cluny, die sor- bonne, st sulpice, den luxembourg, gallerie und garten etc. morgen fangen die großen débatten über die revision an,1 wozu mir hübner seine médaille auf die diplomatische tribune gegeben hat. tocque- villes Bericht war der große gegenstand dieser Woche. niemand ist wie natürlich damit zufrieden, am wenigsten die napoleonisten, die feuer und flamme speyen und, um zu schrecken, eine Präsidentschaft ledru rollins 1 die von der regierung angestrebte verfassungsrevision, um eine Wiederwahl des Präsi- denten zu ermöglichen, fand im Parlament keine mehrheit.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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