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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher480 Wüßte ich, daß ich noch einige Jahre der unthätigkeit vor mir hätte (ce qui à dieu ne plaise), so würde ich allerdings nach einer anderen Art der Beschäftigung greifen, der einzigen, die mich befriedigen würde: wis- senschaftliche studien und zwar in meinem alten lieblingsfache, das ich nie vernachlässigt habe, der geschichte, und würde die geschichte irgend einer interessanten epoche oesterreichs, z.B. kaiser ferdinand ii. (wie- wohl hurter diese bereits in Beschlag genommen hat) oder maria theresias schreiben, spätere Zeiten, z.B. die regierung kaiser franz zu behandeln wäre tagespolitik, der ich mich ferne halten will und muß. Aber wie gesagt, dazu gehört eine mehrjährige muße. in châlons angekommen, wurde ich, um meine Bagage zu erhalten, nach echtfranzösischer Weise eine halbe stunde aufgehalten, die leute machen Alles so regelmäßig und mathematisch, daß man über lauter unnützen for- malitäten aus der haut fahren möchte, nirgends wird soviel befohlen und verbothen, nirgends hat man sowenig persönliche freyheit als in frank- reich, dem classischen Boden der Bureaukratie. Gleich darauf fuhren wir ab, um 1/2 10, mit der Messagerie Laffitte Cail- lard, einem schändlichen institute, ich oben auf der impériale, unter be- ständigem schreyen, fluchen, Peitschen und lärmen und dennoch ohne alle exactitude, wieder recht französisch, über lons-le-saulnier und den Jura, ein Wolkenbruch hatte an mehreren stellen die straße, die ohnehin steil und schlecht ist, beschädigt, die Pferde waren schlecht, die stationen endlos, das Peitschen und lärmen daher ohne ende. die gegend meistens sehr schön, über morez und les rousses, gegen mittag kamen wir über die grenze, und von da an war wieder Alles besser und angenehmer und cul- tivirter. Bey nyon kamen wir an den genfer see und von dort nach einer herrlichen fahrt über coppet um 4 uhr (statt um 2) hieher. ich stieg im hôtel des Bergues ab, an welches ich von 1839 so angenehme rückerinne- rungen hatte, jedoch scheint mir bisher, daß weder das hôtel noch genf überhaupt seitdem gewonnen haben. Auch die frequenz scheint mir gerin- ger und wenigstens, was ich bisher sah, wenig reisende der guten gesell- schaft. eigentlich sollte man orte, an denen man sich einst sehr gefallen hat, nie wieder besuchen. interlaken 9. August ich blieb den 2. und 3. in genf, es war herrliches Wetter, wenn auch am letzteren tage etwas windig, ich ging viel spatzieren, saß stunden lange auf der rousseauinsel, ging Abends nach Plainpalais etc., besuchte alle möglichen Bijoutiers in genf, um kleine cadeaux nach Wien einzukaufen etc. Bekannte traf ich gar nicht. dagegen sprach mich auf der île rousseau ein närrischer alter zerlumpter kerl mit der ehrenlegion an, erzählte mir,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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