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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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49914. Oktober 1851 gehen,1 fand aber leider keinen Platz. seitdem bin ich nun hier, ging die er- sten tage mit einer menge Projecten schwanger, wollte eine tournée an die theiß, nach slavonien etc. machen. Aber die Wege sind, wie man mir sagt, grundlos von dem vielen regen, die Bergfahrt im dampfschiffe auf der rück- reise wäre langweilig, uninteressant gewesen und hätte mir nebstdem mehr Zeit gekostet, als ich verwenden wollte, und die Postanstalten sind hier wirk- lich noch in der kindheit. ich schrieb an mathilde Berchtold, um mich bey ihr zu annonciren, und erhielt gestern ihre Antwort, werde daher wahrscheinlich morgen nach oroszi fahren, 2–3 tage dort bleiben und am 19. oder 20. wieder in Wien seyn, länger von dort wegzubleiben war überhaupt nie meine Absicht. obwohl nach den neuesten nachrichten dort vor der hand gar nichts vorgeht, so zieht mich doch meine niedliche cath. güttersberger dahin zurück, welche eben jetzt eine bedeutende Anziehungskraft auf mich ausübt. ich bin diese tage über wegen meiner Zeit gerade nicht verlegen gewe- sen, war viel im casino, wo ich viele Bekannte fand: edmund Zichy, der eben von den theißgegenden kömmt, mucki erdödy, imry Almásy, salo- mon, der alte teleki etc. waren mein hauptsächlichster umgang. gestern sah ich Zampa im ungarischen theater,2 ziemlich schlecht. heute kömmt erzherzog Albrecht hier an, daher großer empfang, festlichkeiten, illumi- nation etc. ein enthusiasmus existirt nicht, den haben die letzten Jahre todtgeschlagen, und man weiß ja nicht, was er bringt. doch aber hat seine ernennung einen guten eindruck gemacht. nach dem, was ich in ungarn bisher gesehen und gehört habe, steht es nicht besser, ja vielleicht schlechter als im vorigen Jahre. die verwaltung ist die schlechteste, die je gewesen, oder vielmehr sie steht ganz still. die landwirthschaftlichen interessen, welche in ungarn die einzigen von Be- lang sind, sind gänzlich sich selbst oder vielmehr der Willkühr der Bauern und hie und da der Beamten überlassen, so daß viele gutsbesitzer ihre gründe unbebaut liegen lassen. die steuern sind mit der größten unkennt- niß der verhältnisse umgelegt, so daß sie bey einzelnen den ganzen ertrag absorbiren. Waldungen, hutweiden, servituten, commassationen, urbari- alentschädigungen etc., das sind lauter unerledigte und einstweilen bren- nende fragen, welche den ruin des landes drohen. die gerichtsbarkeit in civilsachen steht ganz still, bis über Aviticität und Besitzrecht entschieden ist. das moratorium besteht noch immer, niemand weiß, welche gesetze gelten. das tabakmonopol drückt den gemeinen mann und Bauer mehr als man wohl dachte, und ist überhaupt eine unselige maaßregel. und trotz al- lem dem hebt sich in den an oesterreich gränzenden comitaten der Werth 1 oper von györgy császár (georg kaiser). 2 Zampa ou la fiancée de marbre, oper von ferdinand hérold.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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