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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 515 -
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51526. Dezember 1851 [Wien] 26. dezember obwohl man das definitive resultat der Wahlen in frankreich bis gestern noch nicht kannte, so ist doch aus dem bisher Bekannten gewiß, woran über- haupt jetzt niemand mehr zweifeln konnte, daß louis napoleon und damit zugleich der von ihm proponirte verfassungsentwurf die majorität erhält, wenn auch eine weit geringere als im december 1848, wo er gegen 7 millio- nen stimmen erhielt, während er jetzt kaum über 4 millionen haben dürfte, obwohl ihm dießmal der immense einfluß der regierungsmaschine zu ge- bothe steht, und obwohl die frage an das volk in der Art gestellt ist, daß auch eine menge von napoleons Widersachern aus furcht vor der Anarchie genöthiget sind, mit Ja zu stimmen. Aus allen diesen gründen bleibe ich um so fester bey meiner meinung: daß die sache keinen Bestand haben werde. gestern kam telegraphisch die nachricht, daß lord Palmerston abgetre- ten und durch granville ersetzt worden sey, das erregt natürlich hier große sensation und Jubel, nicht nur bey der eigentlichen regierungsparthey (wel- che beynahe null ist), sondern noch weit darüber hinaus. détails und Auf- schlüsse fehlen noch, und ich bin auf diese sehr begierig. ich glaube zwar nicht, daß, die persönliche erbitterung abgerechnet, lord granvilles Politik eine viel andere seyn werde, doch ist Palmerstons rücktritt jedenfalls ein ereigniß von sehr großer Bedeutung. consolidiren sich die dinge in frank- reich wenigstens für den Augenblick, so könnte, wenn die machthaber ver- nünftig und leidenschaftslos wären, jetzt endlich der friede zwischen re- volution und reaction geschlossen werden. man hat übrigens hier meiner Ansicht nach die taktlosigkeit begangen, diesen rücktritt heute durch ein extrablatt an den straßenecken zu veröffentlichen, was seit der ungarischen campagne nicht geschah. hier nichts neues, man spricht von Änderungen im gemeindewesen, in der Justiz, in der politischen organisation etc., daher alle Beamten ebenso wie die institutionen provisorisch und mißvergnügt. die Börse theilt übri- gens die frohe stimmung der Pariser und anderen kontinentalbörsen (in london findet das gegentheil statt), das silber ist bis auf 20–21 herabge- gangen. ich amusire mich jetzt, wenn auch unbedeutend und mit vorsicht auf der Börse zu spielen, wozu ich reitlinger verwende. diese Beschäfti- gung und meine kathi güttersberg dienen dazu, mich bey gutem humor zu erhalten und mich vor langer Weile zu schützen. dieser letzteren habe ich neulich einen niedlichen Weihnachtsbaum bereitet, sie ist eine sehr niedliche, naive, unterhaltende Person und gefällt mir besser und länger als die meisten ihrer vorgängerinnen, doch muß auch dieses sein ende ha- ben, und zwar wird dieses nun bald geschehen, indem ich nämlich Anfangs kommenden monats abreisen werde, bisher neige ich für Brüssel vor, wel- ches man mir als einen angenehmen Winteraufenthalt geschildert hat, ich
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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