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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher520 mit geringer etc. zu bestimmen! niemand erwartet ein vernünftiges resul- tat. Andererseits soll fürst metternich, kübeck etc. gegen die Patente vom 1. dieses monats und namentlich ersterer gegen schwarzenbergs preußen- feindliche Politik opponiren und für eine ständische verfassung seyn! es ist beynahe komisch zu denken, wie sich die menschen und verhältnisse geän- dert haben. Auf der Börse ist nun die reaction gegen den december Jubel eingetreten. das silber steht nun schon wieder gegen 27° [sic]. ich gehe dießmal beynahe mit schwerem herzen und wirklich mehr aus raison als vergnügen weg. Abgesehen davon, daß es mich immer im letz- ten Augenblicke vor jeder Abreise beynahe reut fortzugehen (weil jeder Ab- schnitt im leben, der an die enteilende Zeit mahnt, mir eine unangenehme empfindung verursacht), habe ich dießmal noch die weitere ursache, daß meine hiesige existenz zwar sehr eintönig, aber nicht unangenehm war, daß ich mich namentlich an kathi g[üttersberger] mehr als ich dachte attachirt habe. diese ist nun nach triest engagirt und geht dieser tage ab, was mir sehr lieb ist. so wird man in der Welt fortgestoßen, halb willkürlich, halb unbewußt oder genöthiget, und wird unversehens alt und grau. Berlin 17. Jänner Abends unter diesen philosophischen Betrachtungen und eigentlich in einer Art von katzenjammer fuhr ich am 14. Abends 7 uhr von Wien ab, schlief fest wie ein sack bis kollin, war um 10 uhr in Prag und gegen 6 uhr Abends in dresden. mit Ausnahme einer kleinen strecke hinter Prag war ich beständig allein und sah überhaupt keine bekannte seele auf der fahrt, in dresden, ja bis heute morgen. übrigens war und ist das Wetter wie im sommer, ein war- mer scirocco, keine spur von schnee auf der ganzen strecke, dagegen regen und grundloser koth. in dresden ging ich des Abends, um die Zeit todtzuschlagen (denn besu- chen wollte ich niemanden) auf eine stunde ins theater, wo man gli ultimi giorni di Pompeji mißhandelte.1 tages darauf, gestern, wo ich erst um 1/4 4 weiter konnte, galt es, den vormittag auf die mindest unangenehme Weise umzubringen, was nicht so leicht war, denn es regnete und war so schwarz wie im november in london. dennoch gelang es, d.h. der vormittag verging tant bien que mal, ich sah mir zum 100. mahle die Bildergallerie an, ging dann trotz des regens auf der Brühlschen terrasse spatzieren etc. o wel- che lust gewährt das reisen! sagt Johann von Paris.2 dazu die unbequem- 1 Wohl die oper l’ultimo giorno di Pompei von giovanni Pacini. 2 tatsächlich singt dies die Prinzessin von navarra in der oper Johann von Paris (musik françois Adrien Boieldieu, deutsche fassung des librettos von karl Alexander herklots).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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