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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 531 -
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53117. Februar 1852 zum unterschiede von der alten fürstinn grassalkovics, die ich nach ihm aufsuchte, und die entschieden thiers und changarnier ist. um 7 aß ich bey hübner, ein großes langweiliges diner, wo ich Antonini, saintAulaire etc. fand und lange mit ihnen sprach, dann eine unzahl rothschilds, ich saß zwi- schen richard metternich und dem comte roger, welcher mich durch die komische, echt französische Beschreibung seiner 14tägigen gefangenschaft in ham im december amusirte. gestern besuchte ich einige Bekannte, u.a. spencer cowper, bey welchem ich auch mr. cadogan fand, der, seit wir uns in england gesehen, die tochter lord Anglesey’s geheirathet hat. ich aß schon um 5 bey villers, allein mit ihm und seinem Attaché herrn keil aus leipzig, dann waren wir 2 miteinan- der im vaudeville, wo la dame aux camélias, der größte succès dieser sai- son, gegeben wurde. es ist die geschichte einer Pariser femme entretenue (marie duplessis), von mad. doche ganz meisterhaft gegeben, ein stück von ergreifender trauriger Wirkung. nachher fuhren wir auf einen Ball beym fi- nanzminister mr. Bineau, zu welchem villers mir eine einladung verschafft hatte, es waren sehr viele leute, eine ziemlich gemischte gesellschaft, was man auch den toiletten der damen ansah, und auffallend wenig hübsche gesichter. mehrere civiluniformen, namentlich minister. louis napoleon wäre würdig, bey uns minister zu werden, so sehr beschäftigt er sich mit der uniformirung aller menschenkinder bis zum Adjoint de maire hinab. es gibt im ganzen wenig fremde hier, darunter die mehrzahl vornehme russen: Woronzow, menzikoff, schakowskoi etc., der Pariser commerce je- der Art leidet daher, dagegen soll in den Provinzen die industrie in folge vie- ler bey der londoner exhibition erhaltener Bestellungen besser daran seyn. Politische Aufregung existirt nicht. Alles wartet ab, was die regierung thun wird, la blouse contre l’habit, das ist Persigny’s ausgesprochener grundsatz, ich sah ihn gestern bey Bineau, und er machte mir einen ziemlich unbedeu- tenden eindruck, es ist eine handvoll Aventuriers, den Präsidenten mitge- rechnet, die jetzt frankreich regiert, sie wollen die Bourgeoisie todtschlagen, das wäre nicht so übel, doch sehe ich kein system, keine consequenz. das parlamentarische system ist nicht todtgeschlagen, denn der corps législatif ist eine hinterthür, durch welche es au moment donné wieder hereinbrechen wird, die rothen sind nicht terrorisirt, denn er begnadigete fast Alle, und sie hoffen eben von ihm die realisirung ihrer Ansichten. dagegen boudiren die legitimisten, die er gerne gewinnen möchte, mehr als je, die orleanisten ohnehin, denn auf sie schlägt er ja soviel er kann, l’armée et les masses, auf diese will er sich stützen, wir werden sehen, ob es geht. nach meiner Ansicht hätte er einen Weg: den einer möglichst weit gehenden decentralisation, doch scheint er dieses nicht einzusehen, vielleicht ist es auch in frankreich schwerer als anderswo.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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