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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 537 -
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5372. März 1852 leistung versprochen und verlangt dagegen handelsvortheile. Wie sich die englische Politik nach dem ministerwechsel stellen werde, müssen wir erst abwarten, ich glaube nicht viel anders. Aus Paris habe ich im ganzen den eindruck mitgenommen, daß sich die dinge wohl einige Zeit (z.B. 1 Jahr praeter propter) lang halten können, wenn keine außerordentlichen ereignisse dazwischentreten, weil niemand lust zu revolutionen hat, daß aber die ganze Pastete auf die dauer nicht haltbar ist, daß louis napoleon immer mehr terrain verlieren wird und sich die Blouse, die ihm allein (und auch sie lange nicht ohne Ausnahme) an- hängt, durch die unmöglichkeit, sie zu befriedigen oder mit ihr zu regieren, entfremden wird, ganz abgesehen von der Abenteuerlichkeit seines eigenen kopfes und seiner ideen, welche nicht zu berechnen sind, und daher auf ihn kein verlaß ist. die rheingrenze und italien stecken einmahl in seinem af- ternapoleonischen schädel (seine Augen sind größer als sein magen), und über kurz oder lang wird er den versuch machen. ein vorspiel erleben eben wir jetzt. es waren von Wien aus mit dem elysée unterhandlungen einge- leitet worden, um den einfluß auf die italienischen staaten de commun ac- cord festzusetzen (voilà ce que je tiens d’excellente source, obwohl mir eine solche negociation gar zu ungeschickt scheint), indessen aber gab louis na- poleon den italienischen flüchtlingen und enthusiasten hoffnungen und gute Worte, so daß wir die verhandlungen abbrachen, und unsere entente cordiale einen ziemlichen stoß erlitten hat. die Patrie, das organ des elysée, brachte vor 3–4 tagen einen sehr auffallenden Artikel über einige Äußerun- gen eines mailänder Blattes gegen den Präsidenten, worin sie für sardinien auffallend liebenswürdig, gegen uns impertinent war. enfin, c’est un aventu- rier dont on ne peut pas se fier. la Bouverie bey namur 2. märz Am 29. verließ ich Brüssel, war nach 3 uhr in namur, wo ich einen theil meiner Bagage im Wirthshause ließ, und dann hieher, kaum eine stunde entfernt, fuhr. es war ein wahrer Apriltag, sonnenschein, dann regen, ja sogar schneegestöber, welches sich jeden Augenblick wiederholte. es scheint hier bedeutend kälter zu seyn als um Brüssel. heute früh ist hier ziemlich viel schnee gefallen. hier fand ich nebst Augusta [horrocks] und den ihrigen noch clara, und Alicia Wilkinson mit ihrem allerliebsten halbwilden töchterchen. ich könnte in meiner eigenen familie nicht herzlicher aufgenommen seyn als hier, es sind vortreffliche leute und wohl die besten freunde, die ich besitze. ich be- finde mich daher recht wohl unter ihnen. Augusta lebt sehr zufrieden schon seit 2 Jahren hier mit ihrem manne, einem vortrefflichen menschen, den sie von herzen liebt (ohne deßhalb, wie ich glaube und sehe, ihre frühere
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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