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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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55513. Mai 1852 volke zu gefallen und wurde ziemlich lebhaft begrüßt. Am 11. nachmittags war eine äußerst brillante Praterfahrt und Abends, unmittelbar vor seiner Abreise, großer Zapfenstreich. Bey der Zurückgezogenheit des kaisers war ein einzigesmahl diner bey hofe, und da waren von den ministern Buol und Bach geladen, ohne daß er jedoch mit Bach sprach. tags darauf ging dieser zu ihm und soll wie ein espenlaub gezittert haben, doch soll ihn kaiser nico- laus recht freundlich empfangen haben, ich bin neugierig, was die ungarn, welche auf alle schritte des czars so großes gewicht legen, hierzu sagen. kübeck und carl lichtenstein haben den Andreas orden erhalten. kaiser nicolaus trug die ersten tage fortwährend die ungarische generalsuniform. nesselrode war mit ihm hier, und es scheint, daß man über das louis na- poléon gegenüber zu beobachtende verfahren deliberirt hat. übrigens ist die revue vom 10. in Paris ganz ruhig und ohne die erwartete kaiserprocla- mirung abgelaufen.1 ich kann noch immer nicht finden, daß der Präsident an terrain gewinnt, eher das gegentheil, die freywilligen démissionen meh- ren sich, und das will in frankreich viel sagen, er scheint wegen des kaiser- titels mit den großmächten zu unterhandeln und große concessionen, z.B. die räumung rom’s, anzubiethen, ob das der richtige Weg ist? inzwischen rüstet england immer fort und wird am ende nicht umsonst gerüstet haben wollen. ich war am 9. zum ersten mahle seit 1848 wieder bey einem kirchen- gange bey hofe, der so glänzend war, wie ich mich kaum eines ähnlichen erinnere, alles in folge eines ziemlich groben circulars, welches lanckoron- ski am ende der charwoche an die kämmerer wegen ihrer nachlässigkeit hatte ergehen lassen. Am nämlichen tage fuhr ich nach Baden, welches aber noch sehr winterlich und leer aussah, und besuchte resi Pallavicini und ihre schwester mocenigo. neulich war ich eine stunde lang bey erzherzog Johann, er erzählte mir, daß er seine mémoiren schreibe, und schien mir über seine gezwungene Zu- rückgezogenheit ziemlich piquirt, daher nichts weniger als gut über die jet- zigen menschen und dinge zu sprechen, er sprach übrigens (wie er immer thut) gerade so wie er wußte, daß ich es gerne höre. egbert Belcredi war ein paar tage hier, und fritz deym ist es noch, ich sehe ihn zuweilen, aber es fehlt das gemeinsame interesse, welches uns sonst zusammenführte, für den Augenblick bekümmere ich mich nicht um Politik und will mich nicht darum bekümmern, zu thun ist nichts, gar nichts, und ebensowenig vorzubereiten auf künftige ereignisse, die in der Art und Weise, wie sie erscheinen werden, gar nicht zu berechnen sind. 1 Am 10.5.1852 wurden auf dem Pariser marsfeld die neuen fahnen mit dem (kaiserlichen) Adler an die obersten sämtlicher regimenter der französischen Armee übergeben.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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