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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 560 -
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Tagebücher560 mitäten desselben um ihre existenz. man hat dabey wieder wie gewöhnlich Weizen und spreu durcheinandergeworfen und einen entsetzlichen lärmen erregt, und das Alles nach 4 Jahren, damit die revolution ja nicht vergessen und beseitigt werde. geschickt sind die leute nicht, das ist gewiß. Am mise- rabelsten soll sich bey der ganzen sache Baumgartner benommen haben. ich fuhr an einem der ersten Abende zu Becher nach hütteldorf hinaus, um ihm meine theilnahme auszudrücken. Brentano reist in der Welt herum, um Anlehen zusammenzubetteln. nach dem frankfurter hat er nun in london circa 2 mill. Pfund erhandelt, doch übt das Alles noch keinen empfindlichen einfluß auf die valuta. viele glau- ben, daß wenigstens ein theil dieser Anlehen bestimmt seyn soll, nicht die valuta zu heben, sondern einen kriegsschatz zu bilden für den immer näher heranrückenden fall eines krieges. louis napoléon hat an felix schwar- zenberg seinen einzigen freund und fellow-adventurer (der ihm zwar auch nicht viel geholfen hätte) verloren, und trotz aller Bitten, versprechungen und missionen dessinirt sich die opposition von ganz europa gegen seine kaisergelüste immer schärfer. rußland führt auch hier die reihen an und bemüht sich, die Allianz der 3 nordischen mächte wiederherzustellen. Was wird die folge davon seyn? die Armée und die elyséeparthey in frankreich, welche den Präsidenten umgibt, werden um so mehr zum kriege drängen, nachdem letztere in güte nichts erreichen kann. Pesth 13. Juny Abends meine kolik und, wie mein Arzt sie nannte, magenkatarrh wollten in Wien, obwohl es wieder schöner und warm wurde, nicht recht besser werden, so daß mir luftveränderung angerathen wurde, die sich auch vollkommen bewährte. man war in den letzten tagen in Wien mit nichts beschäftiget, las und hörte von nichts, als von dem empfange des kaisers und den festlichkeiten in Pesth, welche glänzend, ja enthusiastisch ausgefallen seyn sollten. die Blätter hyperbolisirten in unglaublicher Weise, viele von Wien nach Pesth hinabgefahrene, um den ersten empfang des kaisers am 5. zu sehen (und es waren deren tausende und tausende, so daß gasthöfe und Privatwoh- nungen überfüllt waren), kamen zurück und erzählten, daß der empfang wirklich ein lärmender gewesen sey, kurz der eindruck in Wien, als ich es verließ, war der, als habe der kaiser, sey es nun durch seine Persönlichkeit oder durch eine geschickte comödie von seite der Altconservativen, einen vollständigen succès gehabt, einen vollkommenen triumph gefeiert, und der Zweck, welchen man bey dieser ganzen reise eigentlich gehabt hatte, nämlich: dem Auslande sand in die Augen zu streuen und es über die unzu- friedenheit des landes zu täuschen, schien wenigstens für den Augenblick vollkommen erreicht. die sache war interessant genug, um mich zu bestim-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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