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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 579 -
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57931. August 1852 bey franconi und dann im château des fleurs, wo sich gabrielle an dem ungewohnten Anblicke eines Pariser öffentlichen Balles königlich amusirte. Am 26. sahen wir den louvre und s. germain l’Auxerrois an, waren dann bey einer vorstellung im hippodrome, aßen im cafè foy und fuhren endlich um 1/2 8 Abends ab. mit uns fuhr eine charmante und höchst amusante junge Pariserinn, femme entretenue zweyten ranges, welche mit ihrem „époux“, einem jü- dischen (folglich aus frankfurt gebürtigen) ladenschwengel eine vergnü- gungssreise nach BadenBaden etc. machte. ich amusirte mich mit ihr vortreff- lich, so weit als es mir die rücksicht für gabrielle, welche nicht so fest schlief als ich gewollt hätte, es gestattete. sie versprach mir, daß ich sie in BadenBa- den sehen würde, und noch viel mehr, aber leider habe ich sie seit strasburg nicht mehr erblickt. Jedenfalls war es ein recht amusantes intermezzo. gestern früh 8 uhr waren wir in straßburg, sahen uns den münster an, wuschen uns dann und frühstückten, worauf wir nach kehl hinüberfuhren, von wo die eisenbahn um 11 abging, um 1 waren wir in Baden. hier fan- den wir gestern und heute eine menge Bekannte, Blücher, münchhausen, Prinz Wasa, sophie scharnhorst, ozeroff, herzog max, lichnowsky, gräfinn kalergis, die dlles marx, die mich mit freudengeschrey empfingen etc., und noch viele Andere, mit denen ich nicht sprach. Auch meine antediluvianische tyrolerinn fand ich hier, ziemlich unverändert. so vergingen uns diese 2 halben tage recht angenehm. heute um 2 nach- mittags fuhr gabrielle ab, nach Basel, von wo aus sie weiter zur königinn Adèle nach turin geht, ich aber fuhr um 1/2 6 in der entgegengesetzten rich- tung ab und bis hierher, um nach hause zu eilen. es kostete mich beynahe einen kampf, Baden, welches mir so angenehm ist, zu verlassen. Baden und Paris sind zwey heitere sonnige flecken auf unserer Weltkugel, ganz geeig- net, um von der hypochondrie zu heilen. haynau ist wieder einmahl in Brüssel insultirt worden, in Wien ist eine verordnung erschienen, welche die Presse auch dort, wo Belagerungsstand ist, der civilbehörde unterwirft1 – – – che cosa vuol dire ció? montecuccoli ist gestorben. dresden 31. August vorgestern früh, an einem sonntage, fuhr ich von heidelberg ab und war um 10 uhr in frankfurt. dort déjeunirte ich auf der mainlust, machte dann 1 durch diese verordnung v. 18.8.1852 wurde mit 1. september auch in den unter Ausnahms- zustand stehenden gebieten die kaiserliche verordnung v. 6.7.1851 über die herausgabe periodischer druckschriften in kraft gesetzt und damit der Jurisdiktion der militärbehör- den und kriegsgerichte entzogen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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