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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 585 -
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58523. September 1852 jener Bewegung, welche sich noch durch die Jahre 1849 und 1850 theilweise erhielten: die geistige Anregung, der durst nach Wissen und Belehrung, der Associationsdrang, die individuelle thätigkeit, Alles das schläft wieder ein. Wenn diese gewaltthätige regierungsmaschine einmahl zusammenbricht, so wird man die Aristocratie geradeso dumm, die Bürger geradeso hasenfüßig, kurz Alles geradeso jämmerlich und unorganisirt wie im Jahre 1848 finden, nur die massen werden wilder und der Widerstand von oben energischer seyn, dagegen aber werden die alten stützen des regierungsgebäudes fehlen. soll man nun unter solchen verhältnissen und voraussichten schweigen und die hände in den schooß legen? von der anderen seite aber: kann man etwas thun, und was? Bey mir könnte die rede natürlich nur von einer pu- blicistischen thätigkeit seyn, an eine officielle ist gar nicht mehr zu denken. hat man mich in den letzten Jahren, wo man auf nahmen, capacität und öf- fentliche meinung doch noch etwas gab, von jeder verwendung ferngehalten, so ist jetzt, wo bloß das schwert und die physische gewalt regiert, gar keine rede davon. Aber auch jene (mir doch wenig zusagende) schreibende thätig- keit ist unter den gegenwärtigen verhältnissen für Jeden sehr beschränkt, für mich null, denn ich müßte damit anfangen, die legitimität alles Beste- henden zu läugnen, auf eine transaction könnte ich mich nicht einlassen, wenn ich nicht den rechtssinn im volke noch mehr untergraben wollte, an- statt ihn zu stärken und zu beleben, und doch könnte nur das letztere mein Zweck seyn, denn das ist die hauptsache, die uns noth thut, also ein Protest mit allen seinen corollarien, und einen solchen einzulegen, wäre jetzt ein unsinn. etwas ähnliches theilweises dürfte aber doch geschehen, wenn ein- mahl die definitive organisation auf grundlage der grundzüge vom 1. Jän- ner dieses Jahres erscheint und darin, wie vorauszusehen, die Aufhebung der stände ausgesprochen seyn wird. ich habe das schon vor monaten mit Procop lazanzky besprochen und warte auf den moment. neulich sprach ich schuselka, der in gainfahrn ein haus hat und seit 2 Jahren dort lebt, er erzählte mir seine verhandlungen mit der Wienerpoli- zey, von der er so quasi und doch wieder nur quasi ausgewiesen worden ist, und die die unschuldigen stücke seiner frau nicht aufführen läßt, weil sie sich vor dem nahmen schuselka auf dem theaterzettel fürchtet, übrigens arbeitet der unermüdliche mensch an einer Quartalschrift, welche er jetzt, wo die Preßangelegenheiten dem militär abgenommen und der Polizeybe- hörde zugewiesen worden sind (eine erleichterung, welche aber, da alle Poli- zeybehörden unter kempen stehen, ja sogar, wie in italien bereits geschehen ist, die Polizeydirectionen in den Provinzen unter militärs gestellt werden sollen, ganz und gar illusorisch ist), herausgeben will, und der ich auch keine lange dauer prophezeye, übrigens scheint ihn das landleben bedeutend ab- gekühlt und milder gestimmt zu haben, obwohl er die stimmung der mittle-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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