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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher600 für Bruck, welcher einer der hauptträger, wo nicht der urheber jener baus- backigen ideen des mitteleuropäischen reiches und dann später des süddeut- schen handelsbundes war, ist es allerdings eine fatale sache, jetzt selbst in Berlin diese ideen begraben helfen zu müssen. übrigens wäre es nicht un- möglich, daß Buol für dieses fiasco am ende das Bad ausgießen müßte, wäh- rend nicht er, sondern lediglich felix schwarzenberg daran die schuld hat. die materiellen Zustände im inneren werden immer schlechter und schlechter. geldmangel, stockung überall, die regierung mischt sich in Alles, hemmt Alles, hintertreibt Alles, zum theile aus der ewigen Angst vor revolution, welche sie aus jeder Besprechung, jedem vereine, jeder Wahl herauswittert, zum theile durch den unglaublichen Zopf und die Be- schränktheit der Bureaukratie, welche jetzt auf dem culminationspunkte ihrer macht und zugleich ihrer miserabilität und dummheit ist, unsere gesetzgebung, unser gewerbewesen etc. sind ganz darauf berechnet, keine Art von Aufschwung in materiellen dingen aufkommen zu lassen, und dann wundert man sich, daß der nationalwohlstand so sichtlich zurückgeht, der Ausfuhrhandel nimmt allenthalben ab, dagegen, namentlich seit dem neuen tariffe, die einfuhr zu. inzwischen nimmt Wien wenn auch nicht an Wohlstand, so doch an Be- völkerung zu, noch nie war die Bewegung auf den straßen etc. so groß. Wien kömmt mir vor wie ein überfließendes glas, und wenn nicht die kolossalen Bauten am Arsenale und simmering wären, welche jedem Privaten eine Bauunternehmung unmöglich machen (die Ziegel allein sind seit 4 Jahren von 11 auf 24 fl per mille gestiegen), so müßten ganze neue stadttheile ent- stehen. man kann sich demnach den mangel an Wohungen hier kaum vor- stellen. ebenso nimmt die theuerung unglaublich zu, und Wien dürfte schon jetzt die theuerste stadt auf dem continente seyn. Wollte man nur einmahl zu meinem lieblingsplane der verbauung des glacis kommen. Aber die Angst vor den anderthalb dutzend Proletariern der vorstädte, welche den ritterlichen kaiser nicht schlafen läßt, läßt dergleichen nicht aufkommen, im gegentheile, man baut defensionscasernen, Blockhäuser etc. Alles um den geliebten monarchen vor seinen getreuen unterthanen zu beschützen. gut ist gut, aber besser ist besser. in ermanglung einer politischen thätigkeit wäre mir die bauende, schaf- fende eines Bürgermeisters von Wien die erwünschteste, wo feld und stoff für grandiose conceptionen, freylich auch viel Widerstand zu überwinden wäre. ein grandioses Wien, das wäre die wahre centralisation und einheit, so aber wird es trotz der zunehmenden Bevölkerung immer kleinstädtischer und mesquiner, so daß man sich dessen jeden Augenblick schämen muß. es ist unglaublich, wie unendlich wenig ressourcen diese stadt von 500.000 einwohnern biethet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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