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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 609 -
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6098. Jänner 1853 verhältnisse sind nicht von der Art, um das Zuströmen ausländischer capi- talien zu befördern. gestern ließ ich mich durch Becher in den gewerbeverein führen, wo alle Wochen sitzungen mit vorträgen statthaben, ich denke manchmal diese zu besuchen. der herzog von Parma ist seit einiger Zeit hier, und ich sehe ihn viel im club, er ist bedeutend vernünftiger geworden. Prokesch ist nach frankfurt ernannt, also hat die russische intrigue wegen constantinopel gesiegt, und als unterpfand unserer neuen entente cordiale mit Preußen haben wir nun anstatt Prokesch und thun – thun und Prokesch!1 das nenne ich eine ver- nünftige und consequente Politik. in montenegro scheinen die verwickelungen zu ende zu gehen, die Pforte ist energisch aufgetreten und wird das lumpengesindel zu Paa- ren treiben, wenn nicht rußland sich wieder dazwischen legt, überhaupt scheint es, und befürchte ich sehr, daß rußland diesen moment, wo wir uns durch unsere nergeleyen mit louis napoléon ganz in seine hände ge- geben haben, dazu benützen wird, um seine machinationen in der türkey um ein gutes stück vorwärts, wo nicht ganz und gar zu ende zu bringen.2 Wir haben da wieder einen entsetzlichen Bock geschossen, wir hätten wohl sympathieen und dunkle Ahnungen zu gunsten der Pforte, wagen es aber nicht, diesen gefühlen nachdruck zu geben, der kaiser hat den general kellner en mission nach cattaro geschickt, mit welchen Aufträgen? weiß ich nicht. louis napoléon ist endlich anerkannt, wobey aber wieder rußland uns den rang abgelaufen und seine creditive zuerst überreicht hat, so daß wir (die wir doch nur auf seine inspiration so lange zögerten) gleichsam wie im schlepptaue nachfolgten.3 mit england häkeln und zanken wir fortwährend, 1 die beiden diplomaten graf friedrich thun-hohenstein und frh. Anton Prokesch von os- ten tauschten ihre Positionen als gesandter in Berlin und Präsidialgesandter in frankfurt. 2 Im Konflikt zwischen Montenegro und der ihre Macht in Bosnien konsolidierenden Türkei besetzten die truppen der Pforte unter omer Pascha große teile des fürstentums. über intervention von russland und österreich musste die türkei jedoch die invasion stoppen und in einer konvention vom 14.2.1853 de facto die unabhängigkeit montenegros unter garantie der beiden großmächte anerkennen. 3 Als erster vertreter der großmächte hatte bereits am 6.12.1852 der britische Botschaf- ter sein neues Beglaubigungsschreiben überreicht. in Absprache der drei konservativen mächte reichte zunächst am 3.1.1853 der russische vertreter sein Beglaubigungsschreiben ein, worin jedoch die unter souveränen gebräuchliche Anrede des „mon frère“ durch ein „sire et bon ami“ ersetzt war. nachdem napoleon iii. die Annahme zunächst verweigert und mit einer veröffentlichung der gründe gedroht hatte, akzeptierte er am 5. Jänner diese Formel und empfing noch am selben Tag den russischen Botschafter. Am 11. Jänner (die verzögerung erfolgte nach seinen eigenen Aussagen aus strafe „offenbar wegen unse-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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