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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 630 -
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Tagebücher630 von unseren grenzen weg transferirt, 500.000 fl für forderungen von öster- reichischen unterthanen bezahlt, kleck [sic] und sutorina bleiben in statu quo.1 von einem Protectorate über Bosnien etc. war entweder nie die rede, oder ist diese forderung fallen gelassen worden. das ist Alles, eigentlich sehr wenig im vergleiche zu dem lärmen und den rüstungen, es bleibt also hauptsächlich der moralische triumph, der allerdings viel werth ist. Auch mit england scheinen wir auf freundlicheren fuß zu kommen. die regierung hat zwar von einer Ausweisung der flüchtlinge nichts wissen wollen, jedoch für die Zukunft eine bessere Aufsicht auf ihre umtriebe ver- sprochen, und Buol hat sich damit zufrieden erklärt. es bleiben also jetzt nur mehr unsere comtessen und alten Weiber (darunter viele männer) zu versöhnen. dagegen scheinen sich england und frankreich immer mehr ein- ander zu nähern, es wird wieder die alte Allianz der 3 nordischen mächte daraus, bey der niemand schlechter fährt als wir. ich habe mir neulich die mühe gegeben, den handelsvertrag mit Preu- ßen gründlich zu studiren, er ist von einer enormen tragweite, beynahe alle Zölle mit Ausnahme der rohen Baumwolle und colonialwaaren sind um 50, 100, bis 400 Prozent herabgesetzt, das mag Alles im Prinzip recht schön seyn, wenn aber dabey unserer industrie nicht in pecuniärer, nationalökono- mischer, administrativer und politischer hinsicht zu hülfe gekommen wird (was einer totalen Änderung unserer inneren Politik im kleinen wie im gro- ßen gleichkommen würde), so geht sie, besonders die kleinere, zu grunde. unsere ökonomischen Zustände werden ohnehin mit jedem tage schlechter – panem et circenses, das verstehen die leute nicht, und das sollte man doch, wenn man absolut regieren will, vor Allem Andern verstehen. Baumgartner, der elend krank ist, soll seine demission gegeben haben, man spricht von Bruck, doch glaube ich nicht, daß er annehmen wird. die ursachen seines Austrittes: seine stellung zu Bach, die Bevormundung von seiten des (übrigens immer jämmerlicher werdenden) reichsrathes etc. be- stehen jetzt in einem erhöhten maaße gegen damals.2 man kann jetzt keinen tag die Zeitung in die hand nehmen, ohne von verurtheilungen und hinrichtungen zu lesen, in ungarn und italien, in Pesth sind vor ein paar tagen wieder 4 politische verurtheilte, in mantua 3 gehängt worden, ungerechnet die fortwährenden hinrichtungen auf stand- rechtlichem Wege wegen straßenraub etc. in jenen beyden ländern. das 1 Bei klek wird das gebiet der ehemaligen republik ragusa/dubrovnik durch einen kurzen türkischen (herzegowinischen) küstenstreifen vom nördlichen dalmatien getrennt. die ebenfalls türkische (herzegowinische) sutorina trennt den südlichsten österreichischen küstenabschnitt der Bocche di cattaro/Boka kotorska vom restlichen dalmatien. 2 frh. karl ludwig von Bruck war am 23.5.1851 als handelsminister zurückgetreten.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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